Welche Möglichkeiten bringt das Internet für SF von Frauen?für: Out of this World: Science-Fiction Kongress <2000, Bremen ein Beitrag von Angelika Öhrlein |
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Vorbemerkung/ Statt eines Abstracts: Der folgende Beitrag versucht in gedrängter Form einen kurzen Überblick über Möglichkeiten zur Entwicklung und Pflege einer eigenen Internet-Präsenz zu geben. Wie groß ist das Publikum? Wie macht frau/man auf sich aufmerksam? Gibt es Resonanz? (Und nicht zuletzt: was kostet der Spaß?) Der Text dazu wurde in HTML geschrieben. Abweichend vom Standard sind die Links jedoch bereits im Fließtext mit ihren vollen Internet-Adressen angegeben; damit soll vermieden werden, dass beim Ausdrucken und offline Lesen des Texts Information verloren geht, die online auf einen Klick zur Verfügung stünde. Alle Aussagen geben Meinung und Kenntnisstand der Autorin wider. Zugleich distanziere ich mich hiermit ausdrücklich von Seiten rassistischen, sexistischen und allgemein gewaltverherrlichenden Inhalts, die eventuell über die von mir für diesen Beitrag angegeben links im world wide web zu erreichen sind. Alle Angaben entsprechen etwa Mitte November 2000. 0. Zur Einführung: publish or perish Wer schreibt, möchte gelesen werden und zwar von möglichst vielen Menschen. VerfasserInnen, deren Texte auf konventionellem Weg publiziert werden, also zum Beispiel als Artikel/Beitrag in einer Zeitschrift oder in Buchform, haben jedoch im Allgemeinen keine direkte Kontrolle über die Anzahl ihrer LeserInnen. Die Auflage, das heißt, die Anzahl der gedruckten - und damit (hoffentlich auch) über den Buchhandel verbreiteten Exemplare, sei es der Zeitschrift oder einer Monographie, bestimmt der Verlag; der Verkaufserfolg wiederum resultiert sehr vereinfacht gesagt aus einer Kombination von Werbungserfolg und Publikumsakzeptanz. Wobei die beiden letztgenannten Punkte - wie aktuell im Fall Joanne K. Rowling und Harry Potter, um damit nur ein Beispiel aus jüngster Zeit zu nennen - nicht unbedingt in ursächlichem Zusammenhang stehen müssen. Überraschungen, positive wie negative sind also durchaus möglich, der Normalfall sind sie nicht. Wer auf dem bisher üblichen Weg veröffentlicht, bekommt Feedback für seine Arbeit in aller Regel nur indirekt - Briefe von begeisterten LeserInnen dabei einmal ausgenommen - , nämlich einmalig durch ein Honorar, oder spätestens nach Verkauf der Auflage über die Abrechnung zwischen AutorIn und Verlag, deren Modalitäten im Verlagsvertrag zwischen beiden Parteien schon im Vorfeld der Veröffentlichung festgelegt wurden. Nebenbei bemerkt: Verlage sind Unternehmen der (privaten) Wirtschaft und müssen Gewinne machen. Darum gehen Verleger nur kalkulierbare Risiken ein. Das erklärt auch, warum nicht nur im Bereich Science Fiction überwiegend Übersetzungen meist US-Amerikanischer AutorInnen auf den Markt kommen. Diese Bücher haben nämlich ihre Umsatztauglichkeit für ein wesentlich größeres Publikum als das deutschsprachige bereits bewiesen. Verkaufen spielt jedoch im WorldWideWeb noch nicht die erste Geige, trotz Internet-Bookshops wie http://www.amazon.de und anderen. Es gibt so etwas wie eine Szene für nicht-kommerzielle Internet-Veröffentlichungen, von der die für Science Fiction-Texte allerdings nur einen sehr kleinen Teil darstellt. Aber auch hier gilt: wer Inhalte ins WorldWideWeb setzt, erreicht damit im Prinzip ein globales Publikum und kann Wirkung deshalb sogar in etwa im Voraus kalkulieren - im Fall deutschsprachiger Texte natürlich mit eben dieser Einschränkung. Oder mit anderen Worten, man kann sich seine LeserInnen in der virtuellen Gemeinschaft des Web gezielt suchen. Wie, das soll in den nächsten Abschnitten besprochen werden.1. Die Milchmädchenrechnung, oder: traue keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast Die einfachste Methode, in etwa eine Vorstellung davon zu bekommen, wie groß das potentielle Publikum für Texte sein mag - und vor allem, was die Konkurrenz bisher auf die Beine gestellt hat - besteht darin, eine der verschiedenen Suchmaschinen zu benützen. Brauchbare Ergebnisse liefern sie alle. Wenn man weiß, wie man sie zu interpretieren hat. Nehmen wir zum Beispiel http://de.yahoo.com. Laut eigenen Angaben suchen derzeit ungefähr 10 Millionen Menschen, also grob die Hälfte aller Internet-Nutzer in Deutschland mit yahoo.de. Yahoo ist ein redaktionell geführtes Verzeichnis. Das heißt, alle angemeldeten Seiten werden im Prinzip wenigstens oberflächlich nach ihrem Inhalt begutachtet und erst danach in den Katalog einsortiert. (Oder auch abgelehnt.)Science Fiction findet sich dort unter der Rubrik: Kunst & Kultur Literatur Genre Science Fiction und Horror mit 53 Einträgen, davon nennt der Untereintrag Autoren wiederum 42 Personen; darunter immerhin 3 Frauen. Das schon einmal als Vorab-Aussage zum Zahlenverhältnis der Geschlechter im web. Einschub: Der Eintrag als solcher unterscheidet übrigens nicht danach, ob die jeweilige Seite von der Autorin/dem Autor selbst ins Netz gestellt wurde, oder eine sogenannte Fan-Seite beinhaltet. (Dazu später mehr.) Die Rubrik im Katalog ist jedoch noch keineswegs alles, was Yahoo zum Begriff Science Fiction zu bieten hat. Sucht man in yahoo.de unabhängig vom Katalog-Eintrag über die Suchmaschine, listet dieses Verzeichnis Folgendes: 8 Kategorien, 105 Websites und 5 Nachrichten auf; die webweite Suche bringt insgesamt 17600 Einträge. Aber was heißt das nun? Theoretisch müsste jeder, der im Quelltext einer HTML-Seite das entsprechende keyword eingebaut hat, auch an webveröffentlichter Science Fiction interessiert sein. Doch wie sieht es mit der direkten Konkurrenz aus? In realistischer Zeit durchlesen und vergleichen kann man nur die Websites. Aber wer von den 105 von Yahoo gelisteten Web-Mastern schreibt womöglich selbst? Sind das wirklich alle? Und was steht dann sonst noch in den beinahe 18.000 Einträgen? Dazu noch ein Einschub für Internet-Newbies: Suchroboter suchen eben wirklich nur nach Buchstabenfolgen. Für Inhalte sind sie nicht konstruiert, die muss man sich selbst finden. Selbst die Kombination mehrerer Begriffe hilft da nur bedingt. Siehe dazu folgende Beispiele: Es wurden diese Suchwort-Kombinationen ausprobiert: "Science Fiction" & Frau(en) liefert 176 Kategorien, 1748 Sites, 0 Nachrichten "Science Fiction" & Autor(in) liefert 2 Websites, "Science Fiction" & Schriftsteller(in) liefert 1 Website "Science Fiction" & weiblich liefert 1 Website Oder mit anderen Worten, wir bekommen eine Datenmenge zur Auswahl geliefert, die man für recht ordentlich halten könnte. Doch wer daraus etwas über den Anteil von Frauen in der deutschsprachigen SF erfahren möchte, zumindest soweit sie bereits im Internet präsent sind, steht vor dem gleichen Problem wie vorher. Denn dass in 1748 Sites gleichzeitig die keywords SF und/oder Frau(en) eingetragen sind, verrät leider nicht mehr als die Tatsache an sich. Keine Aussage, ob von oder über Frau(en). Ebenso wenig lässt sich eine Suchmaschine davon überzeugen, dass das an dem deutschen Wort Autor angehängte in irgend eine Konsequenz für die Suchstrategie hätte ... (Noch einmal zum Vergleich: das internationale Verzeichnis http://www.yahoo.com/ findet über 800 SF-Schriftsteller(Author), die dort in einer eigenen Unterkategorie erfasst sind; es gibt sogar eine eigene Kategorie für feministische SF. Aber auch hier das gleiche Problem. Das englische Wort author gilt für Frauen, wie Männer. Woman/ women listet alle. Von Buffy bis Xena, Warriorprincess und die dazwischen.) Erinnern wir uns trotzdem noch einmal daran, dass traditionelle Verlage vom Wert eines zu verlegenden Buches erst einmal überzeugt werden müssen, bevor sie das Geld für Papier, Druckkosten und Bindung hinblättern, von den Werbekosten ganz zu schweigen - und dass dies alles online wegfällt. Was also hält frau vom eigenen Internet-Auftritt dann noch zurück? Betrachten wir die Voraussetzungen. 2. Selbst ist die Frau, oder wie bitte komme ich ins Netz? Natürlich gibt es Komplett-Lösungen. In jeder Stadt lassen sich mittlerweile Anbieter finden, die den professionellen Schritt ins Netz versprechen. Viele davon sind seriös, alle nicht gerade billig. Wer jemals selbst eine Web-Seite geschrieben hat, weiß, wie lange das unter Umständen dauern kann. Profis verlangen und bekommen Stundenlöhne von 80,-- DM und aufwärts, das ist auch legitim. Daneben bietet die Mehrzahl inzwischen Pakete mit vordefinierten Leistungen an, also zum Beispiel die Programmierung einer bestimmten Anzahl von Seiten, eigene Domain, mehrere Email-Adressen, webhosting für 1 Jahr oder ähnliches. Das geht ins Geld, weshalb sich viele Anbieter auf ihren Homepages über diesen Punkt erst einmal bedeckt halten. (Preise oft nur auf Anfrage, dann allerdings komfortabel mit Formular zu erfragen.) Allen ist zudem gemeinsam, dass man sich unweigerlich mit Folgekosten belastet und von Dritten abhängig wird. Seiten im web haben es nämlich an sich, dass sie früher oder später aktualisiert oder vielleicht sogar völlig neu gestaltet werden müssen. Im Gegensatz zum traditionellen Druckmedium ist das Internet bekanntlich alles andere als statisch und Anbieter, die für ihre Kunden Seiten erstellen, wissen das sehr genau. Sie wissen erst recht, wie wenig man sie im Grund braucht. Verträge dieser Art sind daher in aller Regel laufzeitgebunden. Mit etwas Eigeninitiative geht es hingegen tatsächlich (fast) umsonst und mit relativ wenig Vorkenntnissen. 2.1. Der Einstieg über die Software - HTML ist die Sprache des Net (immer noch) Für die ersten Gehversuche im neuen Medium reicht es, einfach unkritisch zu wissen, dass alles, das auf dem Bildschirm erscheint, mit HTML geschrieben wird. Die gängigen Browser bieten alle einen Editor an, der es auch Unkundigen erlaubt, erste Seiten selbst zu erstellen. Ob nun Microsoft oder Netscape, um auch hier nur die bekanntesten zu nennen (ohne Wertung durch die Reihenfolge und ob der Bekanntheit auch ohne Link) - what you see is what you get. Es gibt bei allen ein Menü, man kann mit wenigen Handgriffen zum Beispiel Schriften auswählen, Farben verändern, Links und Bilder einbinden; wie wyswyg schon sagt, man sieht sofort das Ergebnis, wie es später im Internet erscheinen wird. Wenn man auf den Geschmack gekommen ist und andere, als die gängigsten Möglichkeiten ausprobieren möchte, hier gibt es Hilfe. Dazu zum Beispiel: der heiße Tipp Nr. 1 : http://www.teamone.de/selfaktuellDas ist die Adresse oder URL der Portalseite zu SELFHTML von Stefan Münz. Unbedingt empfehlenswert; zum Herunterladen auf die eigene Festplatte, auch als Hardcover, sprich Buch zum in die Hand nehmen, erhältlich. Die Internet-Version bietet zusätzliche Vorteile, man kann zum Beispiel in einem Forum Fragen stellen, wenn doch noch etwas rätselhaft erscheint. Am Rand bemerkt: Netizens sind generell freundliche Leute. Man glaubt erst, wie viele Menschen aus der eigenen Umgebung drin sind, wenn man selbst dazu gehört. Wenn man nicht weiter weißt - fragen! Nur keine Hemmungen, alle die Bescheid wissen, helfen gern. Netz-User sagen aber auch offen, falls man durch etwas mehr Nachdenken selbst auf Antwort gekommen wäre ... Java, flash und andere beliebte Scherze fallen aus diesen Vorschlägen hier erst einmal heraus. Sie sind noch nicht so allgemein üblich, dass man sie unbedingt zum Standard rechnen müsste. Außerdem kann man sich Effekte, so man meint, dass man sie gerne auf der eigenen Homepage hätte, aus dem Netz herunterladen. Deshalb an dieser Stelle - und nicht nur für Banner, Buttons oder gifs - : der heiße Tipp Nr. 2 : http://www.kostenlos.deund: http://www.umsonst.com oder, falls man dort wirklich noch nicht fündig geworden sein sollte, kann man im Suchfeld zum Beispiel bei Yahoo auch einfach das Wort: gratis eintippen. Erstaunliche Angebote ... Das bringt uns gleich zum nächsten Punkt im Boxencheck-Heft vor dem Start in die Rennbahn der Bits und Bytes. 2.2 Der Einstieg über den Zugang: Wer bietet was Mal angenommen, man hat sich nicht für die Komplett-Lösung entschieden, sondern die erste eigene Seite selbst erstellt. Dann muss natürlich ein Internet-Zugang her und ein Provider, der das Produkt 24 Stunden am Tag, 365 Tage pro Jahr zum Abruf für Andere bereitstellt. Erreichbarkeit ist im Netz alles. Und das natürlich möglichst schnell - hohe Übertragungsrate des Servers - und kostengünstig. Oder noch besser kostenlos. Was nicht heißen soll, das es im Internet etwas völlig umsonst gibt. Das geht weder im Leben, noch im web. Kostenlos heißt lediglich, dass man dafür nicht unbedingt Geld zahlt. Das gilt auch für das Heer der Provider mit ihren zu Teil sehr unterschiedlichen Angeboten. Deshalb hier nur zwei allgemeine Bemerkungen zur Orientierung: (1) Telefongesellschaften bieten ihren Kunden mit dem Zugang zum Internet oft auch kostenlos Webspatze in unterschiedlichem Umfang, die Telecom zum Beispiel 10 MB pro Teilnehmer. (2) Provider, die ihre Kosten für die Server, auf denen die von ihnen gehosteten Seiten laufen, über Werbebanner hereinholen, reservieren in der Regel deutlich mehr Platz für die eigene Homepage, als andere, die direkte Kosten berechnen. Man muss aber vorher wissen und akzeptieren, dass sich die Werbung entweder als Banner oder Pop-up-Fenster im eigenen Text breit macht. Anmerkung: Provider versprechen Zugang jederzeit und von überall. In der Praxis hängt das von viel zu vielen Faktoren ab, als dass man es absolut setzen dürfte. Modems und ISDN-Einwählknoten haben begrenzte Kapazitäten; Server können zum Beispiel abstürzen. Aus eigener Erfahrung: man sollte unbedingt alles, das man ins Netz stellt, auf dem eigenen Rechner noch einmal offline speichern; Updates dabei bitte nicht vergessen. Die eigene Seite im Internet muss danach, sobald sie bei den Provider Ihrer Wahl läuft, natürlich mit ihrer vollständigen Adresse im web = URL bei den Suchmaschinen angemeldet werden. Noch ein Einschub: Domain-Namen. Schön, wenn man eine hat. Aber auch hier gilt - es gibt preisgünstige, sogar kostenlose Lösungen. Unbedingt vorher informieren! Danach heißt es, so paradox das klingt, erst einmal warten. Die reinen Spider (=Suchroboter) finden den neuen Eintrag sobald er im Netz steht. Die redaktionell betreuten Suchmaschinen reagieren in der Regel langsamer. Es kann bis zu einem Monat dauern, bis die eigene Seite auch im jeweiligen Verzeichnis erscheint. Dieser Sachverhalt gilt ebenfalls für Änderungen, zum Beispiel nach einem Provider-Wechsel. Yahoo und andere weisen im Begleittext ihrer Anmelde-Formulare fairerweise aber auch darauf hin. Darum noch ein Tipp: sobald die eigene Seite die ersten links von anderen Webmastern bekommen hat, empfiehlt es sich, allen die neue URL persönlich mitzuteilen. Seiteninhaber sollten Links regelmäßig kontrollieren, doch wer tut das wirklich täglich? Ständige Fehlermeldungen auf dem Bildschirm killen aber erfahrungsgemäß das Interesse auch des glühendsten Fans zuverlässig. Womit wir schon beim nächsten Thema wären: 3. Unendliche Weiten - die Internet-Szene Science-Fiction-Liebhaber sind ein recht bunt gemischtes Völkchen. Trotzdem stellen sie sich im web eher als eine Reihe von deutlich unterscheidbaren Interessen-Untergruppierungen dar. Ohne Wertung durch die Reihenfolge: TV-Serien und Filmfans - sie findet man mit ihrem Seiten und den entsprechenden Merchandising-Angeboten innerhalb der SF-Szene im Internet, nicht nur der deutschsprachigen, zahlenmäßig am häufigsten. Perry-Rhodan-Fans sind dagegen eher ein deutschen Phänomen, obwohl es auch hier internationale Seiten gibt. Exkurs 1: TV-Serien und Perry-Fans: Sie sind innerhalb ihrer jeweiligen Universen meist sehr gut organisiert. Wer sich die Mühe macht, die entsprechenden Webringe durchzusehen, findet Stammtische, Clubs, Treffen und eigene Cons, oft auch in deiner Stadt, um hier Werbung aus einem anderen Bereich zu zitieren. Die entsprechende Fan-Fiction ist ein eigenes Thema. Fans bekannter AutorInnen - eine eher kleine Gruppe, deren Seiten man suchen muss, sofern im Titel durch den Namen nicht ausdrücklich erkennbar. Science-Fiction Fanclubs allgemeiner Art - sie überschneiden sich vom Schwerpunkt des Interesses mindestens zu einem Teil mit dem drei vorgenannten Gruppierungen, auch wenn sie sich meist als plattformunabhängig verstehen. Das gilt auch für: Webringe und Sonstige Exkurs 2: Webringe: während man sich Suchmaschinen wie Bäume mit Zweigen vorstellen muss, deren Feinstruktur sich immer weiter verästelt, aber zum Schluss definitiv auf einer bestimmten Seite endet, sind Webringe in sich geschlossene Systeme. Verfolgt man eine normale Suchstrategie zu einem Thema, muss man vom Endpunkt jedes Mal mehr oder weniger weit zum Ausgangspunkt zurück, um erst dann in eine neue Richtung abzweigen zu können. Die Politik eines Webrings sieht dagegen vor, dass man alle TeilnehmerInnen innerhalb des Rings untereinander per Link erreichen kann und gleichzeitig den Ausgangspunkt. Wenn der betreffende Ring nicht zu umfangreich angewachsen ist, erleichtern Webringe die Navigation innerhalb einer Suche. Ab etwa 200 Teilnehmern werden aber auch sie etwas sperrig. Ein nicht nur auf Science Fiction oder Literatur allgemein beschränktes Verzeichnis der deutschen Webringe findet sich hier: http://www.weblehre.de/webring/webringe.htm da der Perry-Rhodan-Webring ein spezielle Serie von (Heft)Romanen innerhalb der deutschsprachigen SF abdeckt, sei er hier ausnahmsweise gesondert aufgeführt: http://privat.schlund.de/j/jokil/webring/ was sonst noch fehlen mag, liegt hier: http://www.webring.de/cgi-bin/liste_nach_rubrik?RubrikID=11 - diese Liste bietet 120 Webringe zum Thema Science Fiction und Verwandtes. Man sieht auch hier: die ultimative Seite im Netz, die ein Gebiet mit allen irgendwo verborgenen Informationen komplett abdeckt, gibt es nicht. Natürlich überschneiden sich alle Einträge in Teilen - siehe weiter oben. Das Netz ist nicht wirklich unendlich, es ist nur unübersichtlich und durch zahllose Mehrfachbelegungen von keywords zusätzlich aufgebläht. Viele Seiten-InhaberInnen sind außerdem in mehreren Verzeichnissen zu finden, das macht auch Sinn. Unter verschiedenen Einstiegsmöglichkeiten aufgelistet zu sein, erhöht die Chance, überhaupt wahrgenommen zu werden. Womit wir bei: 4. Werbung für die eigene Site wären: Eigenlob stinkt? Mag schon sein ... Nur ist Werbung bei der Fülle des Angebots, oder vielmehr Überangebots im Leben wie im Internet die einzige Möglichkeit, Aufmerksamkeit zu erregen. Klappern gehört zum Handwerk. Nicht umsonst erwarten bereits Suchmaschinen bei einem Neueintrag ein, zwei aussagekräftige Sätze, mit denen man die eigene Seite beschreiben soll. Wie und dass das auch funktioniert, sieht man sehr schön im Eintrag zu Science Fiction bei: http://web.de/Dort findet sich nämlich unter Kultur Literatur Science Fiction & Fantasy auf einen Blick etwas über 180 Einträge, also bereits zu viel um sie wahllos alle anzuklicken. web.de macht zudem innerhalb der Untergruppe keinen Unterschied etwa nach AutorIn, Club oder Fanpage, sondern listet nach Postschema also mit den Artikeln der, die und das einfach von A-Z durch. Da der Titel allein selten bereits Aussage genug ist, einmal abgesehen von vielleicht "die Harry Potter-Fanseite"(die man unter d findet, nicht etwas und H wie Harry -siehe Erklärung oben -), helfen die wenigen beschreibenden Sätze, der Teaser, zumindest für den ersten, groben Überblick. Natürlich wird dabei jeder mit seiner Auswahl dem persönlichen Geschmack folgen. Manche Einträge verhindern aber durch die Wortwahl geradezu, dass man sich mit ihnen beschäftigt. Ein absolutes Negativbeispiel, oft genug für Seiten im Internet verwendet und damit schon wieder neutral genug - dies ist nicht der Platz, persönliche Vorlieben oder Abneigungen auszutragen - ist etwa diese Formulierung: ... bietet selbstgeschriebene Geschichten und vieles mehr. nun, dass AutorInnen auf ihren Homepages die eigenen Texte vorstellen, und nicht etwa die eines Ghostwriters, ist trivial. Da möchte man doch vielleicht etwas anderes erfahren, Genre, Inhalt in einem Satz, Absicht und so weiter. be specific schlägt yahoo.com deshalb vor, aus gutem Grund.4.1. Weitere Werbemaßnahmen für die eigene Seite: Linkst Du mich, linke ich Dich Linken hat hier nicht die Bedeutung, die es im realen Alltag hat. Der Netz-Link ist etwas positives. Wer Links auf seiner Seite anbietet, hilft sich selbst und anderen, sie ersparen Umwege und langes Suchen. Zudem gilt auch hier: gleich und gleich gesellt sich gern. Es ist eher ungewöhnlich, dass eine Autorin, ein Autor auf ihrer/seiner Homepage keinen einzigen Link anbietet, der nicht zu Sites mit mindestens genau so guten, wenn nicht sogar besseren Inhalten führt. Diese Art der Werbung kostet niemanden etwas, außer vielleicht etwas Pflege, denn links müssen regelmäßig auf ihre Aktualität überprüft werden. Wenn die Seite, von der man einen link zur eigenen bekommen hat, auch noch gut besucht ist, potenziert sich die eigene Wirkung. 4. 2. Wettbewerbe Auch sie sind eine gute Möglichkeit, man sollte sich nur vorher genau informieren, worum es dabei eigentlich geht. Manche Angebote im Netz wie: Texte für Anthologie gesucht, sind nicht als verdeckte Werbung von Druckkosten-Zuschussverlagen (dazu später noch mehr). Die nicht-kommerziellen, zum Beispiel auf den Seiten von Science-Fiction-Clubs, sie bringen meist nur Ruhm und Ehre, höchstens die Veröffentlichung der besten Beiträge in einem Fanzine, einer Internet-Anthologie. Die traditionellen Medien schreiben bisher eher zögerlich im web aus, mittlerweile allerdings mit steigender Tendenz, loben dagegen ab und zu neben der Veröffentlichung der Siegertexte ordentlich Geld aus, oder wenigstens wertvolle Sachpreise. Sehr übersichtlich zu finden sind die aktuellen Ausschreibungen hier: http://www.uschtrin.de/ai.html Überhaupt ist die Site von Sandra Uschtrin ein unbedingtes Muss für Jede(n) auf dem Pfad der Schreibenden. Alles, das AutorInnen wissen sollten, sachlich, kompetent und aktuell, ohne jeden Schnörkel. Werbebannerfrei. Randbemerkung Werbung im Internet: Jeder von uns hat sich sicher schon einmal über Werbebanner geärgert, die natürlich genau dort auftauchen. wo man zuerst hinsieht, zum Beispiel im Kopf der Seite eher links, meist quer über dem Back-Button des Browser-Menüs. Wie bereits weiter oben bemerkt, leben manche Provider von Werbeeinnahmen und reagieren darum recht allergisch auf Versuche, die Werbebanner von der gemieteten Site zu tricksen ... 4.3. Mitschreib-Projekte Autoren-Kollektive sind an sich keine Erfindung des elektronischen Zeitalters. Man kennt das zum Beispiel aus Tagungsbänden, Anthologien, aus jeder Zeitschrift. Das einzig neue im Internet ist das offene Ende vieler solcher Seiten und der veränderbare Inhalt. Es können also durchaus auch wieder Beiträge entfernt werden. Das ideale Mitschreib-Projekt hat ein halbwegs genau definiertes Thema und einen engagierten Webmaster, der eingesandte Beiträge zunächst einmal liest, bevor er sie ins Netz stellt. Leider sind manche dieser Gemeinschaftswerke von sehr gemischter Qualität, oder kommen nach anfänglicher Begeisterung der TeilnehmerInnen nicht mehr recht vom Fleck. Man sollte sich überhaupt darüber klar sein, dass sich das aktive Publikum für Science Fiction hauptsächlich aus denen rekrutiert, die selbst Seiten ins Netz gestellt haben und dass natürlich, das bringt die Sache mit sich, jeder von ihnen auf die eine oder andere Art schreibt. Mit anderen Worten: selbst wenn nicht jeder Webmaster den berühmten selbst verfassten Roman auf seiner Seite präsentiert, ein Gespür für gute Texte haben nicht nur sie, das haben wir alle. Schon deshalb sollte man sein Publikum möglichst nicht mehr als nötig verärgern. Und damit kommen wir zu einem heißen Eisen. 5. Unter den Blinden ist die Einäugige Königin, oder: Qualitätskontrolle findet im Netz nicht statt Oder fast nicht. Zum Einen ist das ein Glück. Jeder hat zunächst einmal die gleiche Chance - im Gegensatz etwa zu den Printmedien. Wo, wenn nicht im Internet, bekommt man derzeit beinahe ungestraft die Möglichkeit, sich als hoffnungsvolle AutorIn einem weltweiten Publikum zu outen? Nur darf man nicht glauben, dass dieses Publikum alles toleriert. Mangelhafte Seiten werden mit Nichtbeachtung gestraft. Man sollte sich also sowohl bei der Präsentation, als auch dem Inhalt Mühe geben. Nebenbei bemerkt: Science Fiction hat sich in Deutschland bis in die jüngste Vergangenheit gelegentlich hart getan, überhaupt als Literatur anerkannt zu werden, Leider findet man diese Einstellung indirekt sogar noch im Netz. http://www.dino-online.de/ nimmt entsprechende Seiten zwar innerhalb der Kategorie Literatur auf, hat aber zum Beispiel überhaupt keinen Untereintrag Science Fiction (auch nicht für andere Genres, wie etwa den Krimi), sondern listet entsprechende Seiten unter Sonstiges. 5.1. Die Präsentation. Dabei lassen sich durchaus einige Grundregeln aufstellen. Die Seiten sollten möglichst kurze Ladezeiten beanspruchen und sie sollten lesbar sein. Galaxien als Seiten-Hintergrund, blinkende und hupende Raumschiffe mit originalem Raketenstart-Ton sind sicher eine Bereicherung. Doch wer für seinen Internet-Zugang noch keine flatrate hat, ärgert sich über jede Sekunde Wartezeit, bis die ganze Pracht geladen ist. Zu wilde Hintergrundmuster, exotische fonts stören zudem den Lesefluss. Traditionelle Buchseiten sind aus gutem Grund weiß oder wenigstens einfarbig und hell, die Buchstaben schwarz. 5.2. Zum Inhalt, sprich dem auf einer Internet-Seite angebotenen Text sei mir hier eine ganz persönliche Anmerkung gestattet. Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Da ich mich selbst ebenfalls zu dem großen Heer der semi- bis gar nicht professionellen Schreiber-Cyberweiber zählen muss - auch mir fehlen (noch) die höheren Weihen einer echten, nämlich Hardcover oder wenigstens Taschenbuch-Veröffentlichung - werde ich mich hier weitestgehend der Stimme enthalten. Vor allem werde ich keine Beispiele zitieren, weder gute, noch schlechte. Abgesehen von den ganz primitiven Anforderungen an eine Geschichte wie Grammatik und Rechtschreibung ist bereits der Stil mehr oder weniger reine Geschmackssache, vom eigentlichen Inhalt, der storyline ganz zu schweigen. Daher muss man genau wie in jeder Buchhandlung oder Bibliothek auch im world wide web lange suchen, um wirklich auf lesenswerte Texte zu stoßen. Das Angebot ist groß. Und genau wie auf dem vertrauteren Papier-Buchmarkt trennen sich auch im Netz früher oder später Spreu und Weizen. Vielleicht sogar brutaler. Absagen durch Verleger per Formbrief sind beinahe behutsam im Vergleich zu den harschen Kommentaren, die man sich im Netz einfangen kann. Ich hatte zwar bisher nur positive, sinnigerweise etwa je zur Hälfte für meine Bilder und meine Texte, aber ich kenne auch andere Reaktionen von Usern, weil ich sie in Foren gelesen habe. Man findet mich übrigens hier: http://www.fortunecity.de/tatooine/mondbasis/84surfen Sie bei Gelegenheit doch bitte mal vorbei ... Schluss der persönlichen Anmerkung. 5.3. Im übrigen hilft es, so weit wie nur möglich über den eigenen intergalaktischen Gartenzaun zu schielen. Bücher über das Schreiben findet man zum Beispiel auch (amazon.de hatten wir schon) über http://www.buchhandel.deSonstige nützliche Information unter: http://www.boersenverein.de/ (z. B: Fragezeichen recht ganz oben anklicken) hier versteckt sich das Fachblatt für Buchhandel und Verlage in Deutschland mit Beiträgen, die auch für den interessierten Laien von Nutzen sind. Hier sind wir dann beim Punkt6. Verlage im Netz? Spreu und Weizen II Wer Bücher über Schmetterlinge in Brasilien schreibt, braucht bei einem Verlag für juristische Fachbücher nicht mit seinem Manuskript anzuklopfen. Außerdem sollte man sich unbedingt über eines klar sein: AutorInnen aus Deutschland sind bei der Mehrzahl der großen Verlage nicht sehr gefragt. Wie bereits im Vorwort erwähnt - es gibt ein riesiges Angebot sicherer Karten aus USA, unbekannte Deutsche sind Risiko. Man kann das auch daran sehen, dass Verlage Kontakt-Adressen zum Lektorat nicht unbedingt auf den prominentesten Platz ihrer Homepages setzen und dass man die bekannteren von ihnen kaum je in jenen Sammelseiten findet, auf denen versucht wird, Autoren an Verlage zu vermitteln. Trotzdem stößt man beim Durchkämmen des web früher später auf Verleger oder Dienstleister, die, oh Wunder, Veröffentlichungen sogar anbieten. 6.1. AutorInnen gesucht. (noch eine Milchmädchenrechnung): Wunderbar. Fangen wir gleich mit dem Angebot an, das in letzter Zeit am meisten für Medienaufmerksamkeit gesorgt hat. http://www.bod.de oder Books on demand.Vordergründig hört sich alles, das auf der Site angeboten wird, recht gut an. Grundkosten 350,-- DM für ein Taschenbuch unabhängig von der Höhe der Auflage, ISBN 120,-- DM incl. Daten-Storage für ein Jahr danach kann man als AutorIn selbst bestimmen, wie hoch die Auflage sein und was das Buch kosten soll. Folgt man danach der Beispiel-Kalkulation kommt man bei einer Auflage für den Eigenbedarf von 25 Stück (das ist das Minimum) 250 Seiten und einem angestrebten Ladenpreis von 25,--DM bereits auf zusätzliche Kosten von: Mastering: 200,-- DM (nur, wenn Manuskript bereits fertig als PDF-Datei vorliegt) Druckkosten: 375,-- DM damit sind wir bereits bei ausgegebenen 1045,-- DM. Man müsste nach dieser Beispielrechnung also mindestens 42 Bücher eines Werks für 25,-- DM verkaufen, um wenigstens diese Kosten wieder hereinzuholen. Die eigentliche Auflage jenseits der für den Eigenbedarf ist dabei noch außen vor. Gut, kling trotzdem machbar. Ist es das aber wirklich? BoD leistet außer dem Druck nur noch den Eintrag ins Verzeichnis lieferbarer Bücher. Die gesamte Werbung bleibt damit Eigenverantwortung der Autorin/des Autors. Das heißt, ernsthaft betrieben: Anzeigen in örtlichen und überregionalen Tageszeitungen schalten, Überzeugung des Buchhandels mindestens in Ihrer Stadt, öffentliche Lesungen in Stadtbibliotheken, Schulen, Krankenhäusern, am besten noch Werbung im Börsenblatt für den deutschen Buchhandel. Alles auf eigene Kosten. Rechnen Sie es aus. Dennoch ist BoD bei vernünftiger Relation zwischen zu erbringender Eigenleistung und den kalkulierbaren Kosten eine Alternative, die es für AutorInnen und vielleicht sogar für kleiner Verlage künftig verstärkt zu überlegen gilt. Zumindest scheint sich eine Tendenz dahin abzuzeichnen. 6.2. Warnung: Haie in trüben Gewässern Betrachten wir jedoch jetzt die sogenannten Zuschusskosten-Verlage. Sie leisten vordergründig das gleiche und man kann sie natürlich nicht alle über einen Kamm scheren. Dennoch bleibt festzuhalten, dass man besser die Finger davon lässt. Branchenintern, also bei Buchhändlern und Verlegern, oder für die eigene Bibliographie ist eine Erstveröffentlichung in einem Zuschusskostenverlag absolut keine Empfehlung. Denn Kenner der Materie wissen, dass solche Unternehmen ungeprüft alles und Jeden veröffentlichen. Außerdem berechnen sie den KundInnen für ihre Dienste meist einen überteuerten Preis. Es kann unter Umständen vorkommen, dass man nicht nur die Druckkosten der gesamten Auflage bezahlen muss, sondern nach Ablauf einer vereinbarten Frist auch noch vertraglich zum Rückkauf des eigenen Werks verpflichtet ist. Häufig wird die bereits berechnete Auflage übrigens erst dann gedruckt. Und die 3000 oder mehr Exemplare darf man dann zu Hause in der Garage stapeln ... Randbemerkung: Das jüngste Beispiel, das mir zu dieser Gruppe im Netz aufgefallen ist, 6.3 Agenten Anders als zum Beispiel in den USA ist es hierzulande nicht die Regel, sich mit einem Manuskript unter dem Arm bei einem Agenten einzufinden und um professionellen Beistand zu bitten. Überspitzt ausgedrückt läuft es eher umgekehrt. Die AutorIn hat ihr erstes Buch an einen Verlag verkauft, die Auflage ist gut gelaufen und jetzt sieht sich auch eine Agentur bereit, dem neuen Star des XY-Verlags die lästigen Verhandlungen für das nächste Buch abzunehmen. Analog dazu suchen Agenturen auch nicht nach neuen Talenten. Viele Agenturen stehen zwar im Netz oder werden auf Zusammenstellungen von entsprechenden Sites aufgelistet.(u.a.: http://www.literature.de)Die, die ihre Dienste ausdrücklich empfehlen, sind aber genau wie entsprechende Angebote von Druckkostenzuschussverlagen mit Vorsicht zu genießen. Es ist branchenunüblich, für Vorleistungen wie unverbindliche Prüfung eines Manuskripts Geld zu verlangen. Lektoratsdienste, soweit sie sich auf Formalien wie Rechtschreibung, Grammatik, eventuell Stilfragen beschränken, sind etwas anderes, sollten dann aber gleich an ein Lektorat vergeben werden. Nachdem nun sicherlich einige Erwartungen zurechtgestutzt worden sind, tröstet es vielleicht, dass es den mainstream LiteratInnen mit ihren Hoffnungen auf Veröffentlichung auch nicht besser ergeht. Empfehlenswerte Seiten sind zum Beispiel: http://www.berlinerzimmer.de oder http://www.literaturcafe.debeide Sites sind sehr übersichtlich aufgebaut, das Berliner Zimmer bietet zudem im Augenblick gerade einen direkten Einblick in die Schwierigkeiten, auf die Macher stoßen, sobald sie versuchen, ihr Internet-Angebot aus der Amateurliga ins Profi-Lager zu hieven, oder anders ausgedrückt: wenn sie Geld damit einnehmen wollen. Das Berliner Zimmer bietet unter anderem Erosa an, ein Online-Magazin für Erotik im Netz. ( http://www.berlinerzimmer.de/erotik/Default.htm für LeserInnen unter 18 Jahren: keine Sorge, das ist noch nicht der direkte Zugang zu den Bildern und Texten!)Offenbar angeregt vom Beispiel Steven Kings, der jüngst eine Story nur unter der Bedingung vollständig ins Netz zum download zur Verfügung stellte, dass eine vorher definierte Anzahl Leser an ihn je 1 $ überwies - was funktionierte und die offline-Branche in einige Aufregung versetzte - beschlossen die Macher von Erosa ihren AutorInnen ebenfalls wenigstens eine kleine finanzielle Anerkennung für die Arbeit zukommen zu lassen. Die nächste Nummer von Erosa sollte erst online gehen, wenn auf dem angegebenen Konto 1.000 DM eingegangen sind. Nun sollte man doch meinen: Sex sells. Aber leider weit gefehlt. Bisher, Mitte November 2000, ist erst etwas über die Hälfte der angestrebten Summe auf dem Konto von Erosa. Das sollte nachdenklich stimmen ... 7. Schluss und persönliche Erfahrungen Plejades - so der Titel meiner Site, ist seit Anfang Oktober 1999 im Netz zu finden. Was hat nun mir das erste Jahr online gebracht? Abgesehen davon, dass ich durch die Tipps auf vielen Seiten rechtzeitig dem kleinen Horrorladen aus Punkt 6.2 entging (von dem ich als gelernte Buchhändlerin und Bibliothekarin aber schon vorher wusste, dass er floriert und ständig neue Ableger treibt), habe ich auf eine Reihe von Kontakten zu Gleichgesinnten bekommen und ein Menge Freunde im Netz kennen gelernt, und damit meine ich nicht nur solche aus der Science Fiction-Gemeinde. Völlig Fremde haben mir Mails zu meinen Texten geschickt, zwei Fanzines Stories veröffentlicht und ein Net-Zine hat meine augenblickliche Spielwiese beim Surfen im Netz entdeckt und mich in Folge gebeten, mein laufendes Projekt in ihrem Zine vorzustellen. Was ich natürlich gerne getan habe. Ich bin mir aber auch darüber klar geworden, dass meine ursprüngliche Vermutung richtig war. Das world wide web ist bis in seine tiefsten Ecken ein getreues Spiegelbild unserer gewinnorientierten Gesellschaft. Es erfordert einen gewissen materiellen und bildungstechnischen Standard, überhaupt hinein zu kommen und wer drin ist, muss ihn halten, um künftig mit der Meute mitlaufen zu können. Auch im Markt des Internet regelt das Angebot die Nachfrage und umgekehrt. Und Dinge, die nichts kosten, oder zumindest kein Geld, werden als nicht so wertvoll eingestuft, wie die, für die man zahlen muss. Es ist unter diesem Gesichtspunkt nicht ungefährlich, seine Texte ins Netz zu stellen. Andererseits ist es für viele vielleicht die einzige Möglichkeit.
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