Orion-Nebel 25. Honey Winters Tagebuch:  Gäste an Bord II

Tagebuch: Eintrag vom 18.06. 2389:  21:45 - Fortsetzung -

Habe ich es nicht gesagt? Man hat keine Minute Ruhe. Dieses Mal kam mir Frank Jamaica dazwischen, einer der beiden Flugbegleiter, beziehungsweise Mädchen für Alles. Frank arbeitet meist mit der Crew Zwei. Er sagte mir, in der Rückwand der  Pflanzenvirtine im Captainszimmer sei ein kleines Loch.

»Ich habe es beim Putzen gefunden und mit Folie wieder verschlossen.«

Ich bedankte mich und schickte ihn wieder weg.

Anne rollte mit den Augen, sagte aber nichts, sondern formte aus Zeigefinger und Daumen das Blinkzeichen für mail. Sie hatte sie mir auf den Bildschirm meines Tagebuchs geschickt. Dort stand:
Anne an Captain. Hat der dumme Kerl gar nichts besseres zu tun, als die Rückseite einer Vitrine zu putzen? Und das dann auch noch im COCKPIT auszuposaunen? Überarbeiten oder lassen?

Ich zuckte die Schultern. Frank Jamaica gehörte also wohl zu den besonders gründlichen Hausfrauen. Aber dass wir sein Erscheinen und die Botschaft deswegen aus dem Logbuch löschen mussten, glaubte ich nicht. Außerdem reichte es mir noch von der letzten Aktion.

Die ich ja gerade erzählen wollte, als Frank dazwischen kam.

Greifen wir also den Faden wieder auf, und hoffentlich komme ich jetzt damit zu Ende.

Totila sagte also, dass der Alte alles andere als entzückt gewesen sei, als der gute Doktor nolens volens damit herausrückte, dass wir auf der Erde ausgerechnet Kraft-Hausdorf einsammeln sollten.

»... und damit so etwas nicht noch einmal passiert, haben Amy und der Alte Stevenson ausgebootet. Er bleibt Chefarzt der Klinik, denn als Chirurg ist er genial. Aber sie haben ihn gezwungen, seine Anteile zu verkaufen und Amy hat ihn praktisch eingemauert.«

»Wie geht denn das?«

»Auf Reno sehr einfach. Ich weiss, du hast es nicht bemerkt, aber du hast auf deinem Weg in die Klinik zahlreiche Sicherheitsschleusen passiert. Und ohne Zugangscode ...« er zuckte die Schultern.

»Heisst das, er ist praktisch ihr Gefangener?« fragte ich, »Totila, das ist ja schlimm.«

»Stevenson hat völlig unverantwortlich gehandelt. Ausserdem wird sein Gefängnis ein goldenes sein. Und wenn Amy halbwegs geschickt vorgeht, merkt er nicht einmal, dass seine Bewegungsfreiheit eingeschränkt ist.«

»Du hast nicht gerade viel Mitleid mit ihm.«

»Hättest du auch nicht, Honey, wenn ich dir schon gesagt hätte, dass wir nicht nur den Dummie an Bord haben, sondern auch noch den Aufpasser dazu. Die Leute, die ihn mit Stevensons Hilfe auf den Weg gebracht haben, gehen kein Risiko ein. Sie wollen, dass ihr Paket nicht nur ankommt, sondern auch seinem Zweck entsprechend verwendet wird«, sagte Totila und das klang ziemlich grimmig.

»Und wer ist der Aufpasser?« wollte ich wissen.

Totila sagte: »Das rätst du nie. Vermillion O'Toole. Aber es hat zumindest einen Vorteil: wir brauchen einen Unverdächtigen, der uns hilft, die ungefähr zwei Minuten Aufzeichnung im Gang zu fälschen, auf denen Silvers Schreie zu hören wären, wenn wir sie im Logbuch lassen würden.«

»Und dein Sprint, vergiss den nicht«, erinnerte ich ihn.

Totila grinste süss-sauer. »Wenn wir Vermillion dazu bringen, quasi auf der Suche nach mir den Gang hinunter zu schlendern, können wir meine beschleunigte Gangart sogar erklären. Wir müssen diese Sequenz nur quasi vorziehen.«

Es war klar, er legte keinen gesteigerten Wert darauf, mit Vermillion "aufzutreten"; ich aber auch nicht.

Trotzdem fiel es natürlich mir zu, mit ihr zu reden. Totila berührte mich freundschaftlich an der Schulter. »Vermillion ist auf Reno geboren. Du wirst merken, Reno-Leute stellen keine Fragen. Und nun entschuldige mich bitte. Cleo sucht mich schon.«

Ich hatte den Kopf zu voll damit, mir zu überlegen, wie ich das Logbuch am besten und zeitsparendsten anpassen konnte, denn wenn man eine gewisse Zeitspanne herausnehmen und ersetzen will, braucht man nicht nur diese, sondern noch eine weitere, nämlich genau so viel unverdächtiges Material, damit man ungesehen in den Antriebsturm verschwinden und wieder an seinen Platz auf der Brücke zurückkehren kann. Erst als mir die ssnötigen Schritte dazu halbwegs klar waren, fiel mir auf, dass Totila eigentlich unmöglich wissen konnte, ob Cleo ihn suchte.

Sie suchte ihn aber tatsächlich, denn sie rief bei mir an und fragte, wo er blieb.

»Ich habe keine Ahnung«, sagte ich.

»Dann sag bitte wenigstens Silver, sie soll die Techniker die nächsten Tage in Ruhe arbeiten lassen«, bat Cleo, »wir müssen uns endlich ernsthaft um die Klimaanlage kümmern.«

»Oh Gott, Silver!« das rutschte mir heraus, bevor ich darüber nachgedacht hatte. Ich hatte ihren Anteil an dem Schlamassel völlig verdrängt. Cleo wurde sofort misstrauisch.

»Was hat sie jetzt wieder angestellt!?«

Ginnie, die mit einer grossen Kanne Kaffee ankam, Silver mit den Tassen dazu im Gefolge, rettete mich davor, Cleo ein Märchen auftischen zu müssen. Ich bin schlecht im Lügen, andererseits wollte ich ihr nicht gerade über das Bordnetz von unserem Dummie-Passagier erzählen. Ausserdem wäre Cleo sofort aufgestanden, Schonzeit oder nicht.

Silver dagegen war sonnigster Laune. Offenbar hatte es Ginnie fertig gebraucht - auf welche Weise auch immer - Silver davon zu überzeugen, dass Totila auf der Erde in geheimer Mission unterwegs war und der Dummie dazu absolut lebensnotwendig. Mein Schwesterlein schmollte nur noch ein ganz klein wenig, weil man ihr nicht rechtzeitig Bescheid gesagt hatte.

»Vielleicht sprichst du nach dem Abendessen mit Cleo darüber? Irgend wann muss sie es schliesslich doch erfahren«, schlug Ginnie vor, »ausserdem könnte sie uns helfen. Wie du weisst, darf nur der Captain mit seinem Codewort in das Logbuch eingreifen, oder der Ingenieur. Wenn sie im Antriebsturm daran arbeitet und du auf der Brücke, geht es schneller.«

»Wo du recht hast, hast du recht«, gab ich zu.

Cleo traf natürlich beinahe der Schlag,

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