22.
Honey Winters Tagebuch: Ein toller StartCleo behielt recht. Ein feudales Hotelfrühstück ist zwar recht schön, aber es nimmt dem Ganzen doch erheblich an Glanz, wenn es morgens um Fünf Uhr dreissig unter Zeitdruck stattfindet. Die Crew Drei allerdings sah es gelassen, Sie hatten durchgefeiert, Kunststück, ihre Schicht begann erst um 16:00 Uhr Ortszeit Reno und sie konnten so verkatert an Bord gehen, wie sie wollten. Aber die Chefcrew (Cleo, Ginnie, Totila, Cleos Kusinen, Anne und meine Wenigkeit) mussten um Neun putzmunter und ausgeschlafen sämtliche Startknöpfe drücken.
»Und das mit einer Tragflächenkonstruktion, die gerade mal eine Landung hinter sich hat!« sagte Cleo klagend.
»Alte Miesmacherin«, Anne verputzte ungerührt das dritte Gebäckteil mit Butter und Marmelade, »sind Hörnchen in Hotels eigentlich mit Absicht so klein?«
»Weiss nicht. Aber wenn du weiter so frisst, werden sie bestimmt demnächst zusätzlich kontingentiert«, sagte Cleo und zog Anne den Brotkorb fort.
»Kommt schon, wir müssen«, sagte ich und winkte den Crews Zwei und Drei an den Nebentischen.
Ginnie hatte sich spät in der Nacht, als wir schon schliefen, mit einer Textmail gemeldet, die mir der Hotelwecker pünktlich zum Aufwachen übermittelt hatte. Wenn man ihren zwei Zeilen glauben konnte, flog sich die aufgepeppte GLORY besser als die Standard-Version. Ehrlich gesagt erwartete ich sowieso keine Schwierigkeiten, Cleo sieht gerne etwas schwarz.
Wir fuhren zurück zum Raumhafen, bewunderten - kurz- die veränderte RAINBOW GLORY und verstauten sämtliches Gepäck. Die Rainbows waren schon an Bord.
»Der Alte sitzt mit Leila Aylik und ihren Damen auf dem Panorama-Deck hinter mir und macht Small-talk«, sagte Ginnie.
»Echt?« Anne fand, das musste sie sehen.
»Wir müssen ohnehin zu Ginnie ins Cockpit«, sagte ich.
Totila jüngere Schwester wirkte ein wenig übernächtig, kein Wunder, sie hatte den späten Abend und die Nacht schliesslich nicht wie wir mit Nichtstun verbracht. Doch sie behauptete, sie sei okay.
»Wir fliegen verkürzte Schicht«, sagte sie, »Crew Zwei übernimmt um Zwölf. Ich kann mich ja am Nachmittag hinlegen.«
Vier Stunden Schicht, acht Stunden Freizeit, vier Stunden Schicht. Dieser Rhythmus würde für das nächste halbe Jahr unser Leben bestimmen. Die Chefcrew startete normalerweise morgens um 08:00 bis 12:00, hatte frei bis 20:00 und sass dann noch einmal bis Mitternacht. Und auch wenn Ginnie für hier und heute der Meinung war, mit dem Start um 09:00 sei die Schicht nur kurz, hatten wir doch bis dahin noch genug zu tun. Die Ingenieure der Werft kamen zur Schlussabnahme des Umbaus an Bord und gleichzeitig ein Team der Raumhafenaufsichtbehörde - zu ungefähr dem gleichen Zweck. Kein Raumschiff startet von Renos Raumhäfen ohne Check.
»Teilen wir sie uns«, schlug Cleo vor. Sie lief mit den Reno-Leuten durchs Schiff, ich zockelte Aik Richter von Lunacraft hinterher. Der Alte blieb derweil auf dem Panorama-Deck und genahm sich liebenswürdig.
»Sektfrühstück mit Leila Aylik. Also wenn ich ihm alles zugetraut hätte, aber das nicht!« Cleo konnte einem Attila Gorekian als Partylöwen nichts abgewinnen. »Wie gings bei dir?«
Die Lunacraft-Werft war mit ihrer Arbeit zufrieden und die Raumhafenaufsicht hatte zumindest keine offensichtlichen Mängel gefunden.
»Die Huckepack-Konstruktion brachte sie natürlich zum Naserümpfen«, sagte Cleo niedergeschlagen, »und ich habe den Verdacht, wenn deren Boss und unser Alter nicht so dicke Kumpels wären ...«
Sie beendete den Satz nicht. Der Alte kam gerade in Begleitung von Leila Aylik zu uns nach unten an die Hauptschleuse. Er brachte das Kunststück fertig, seine gewöhnliche Rolle als Grossvater mit Rauschebart durchzuhalten und gleichzeitig derart heftig mit der Managerin der Rainbows zu flirten, dass Cleo und ich nicht mehr wussten, wo wir hinsehen sollten.
»Lieber Himmel«, sagte Cleo, als Attila Gorekian endlich von Bord war, »Weihnachtsmann mit Frühlingsgefühlen. Ich dachte schon, der fliegt uns mit. Wo ist eigentlich Totila?«
»Ich habe keine Ahnung«, sagte ich.
Cleo benützte den Suchlauf der Bordkommunikation, aber es meldete sich nur Ginnie. Sie sagte, ihr Bruder sei noch unterwegs, werde aber garantiert rechtzeitig vor dem Start eintreffen. Cleo bekam fast einen Anfall.
»Sind denn heute alle durchgeknallt? Wo steckt der Kerl, Ginnie? Sag ihm, er soll zusehen, dass er sich hier blicken lässt! Zu Hause meine Kusinen in den Nebelbergen und jetzt geistert Totila noch im Untergrund herum. Kann man denn nie vernünftig starten? Himmel, Arsch und Zwirn!«
Ich verkniff mir, Cleo zu fragen, was sie sich unter einem vernünftigen Start vorstellte. Meines Wissens sind sie alle chaotisch. Immer hat irgendwer die Hälfte vergessen, regelmässig kommt mindestens Einer zu spät, oder es stellt sich im letzten Moment noch heraus, dass etwas unbedingt mit an Bord gemusst hätte und nicht mitgenommen worden ist. Idealerweise dann, wenn man schon aus dem Orbit zum Tordurchflug angesetzt hat. Alles mit dem Alten schon erlebt.
Aber fünf Minuten später meldete sich Totila zurück an Bord. Cleo wärmte die neuen Triebwerke vor, Ginnie und ich öffneten das Navigationprogramm und die Bodenkontrolle gab uns für den Start frei. Der Alte verlas via Konfernzschaltung vom Gorekian-Center aus ein bewegendes Abschieds-Grusswort (und ich wäre wirklich gerührt gewesen, hätte ich mir nicht ausrechnen können, dass er den Text mehrmals geprobt haben musste, um ihn exakt auf die Zeit zu bringen, die nun mal so kurz vor dem Start nur noch dafür zur Verfügung stand) und last but not least: das offizielle Abschieds-Video der Rainbows ging mit der Sekunde ins Netz von WorldsWide, da wir aus dem Hangar rollten. Exaktes Timing auch das, Anne lud den Beitrag zum Anschauen für später herunter.
Unser Aufbruch verlief reibungslos, so glatt, dass ich unruhig wurde. Noch gab es dafür allerdings keinen Grund. Höchstens Vorahnungen, und leider trogen sie mich nicht.
Aber der Reihe nach!
Für die eigentliche Startphase, sprich den Aufstieg bis zum Orbit, hatte ich unsere Passagiere in die bequemen Sitzecken des Panoramadecks gebeten. Ich wollte sie ein wenig unter Aufsicht haben, nicht weil ich Angst davor hatte, es könnte etwas Unvorhergesehenes geschehen, sondern weil mir Leila Aylik zum Glück gesagt hatte, dass die wenigsten ihrer Damen bisher je von Reno weggekommen waren. Es war also für die Mehrheit der erste reale Start ihres Lebens, noch dazu in einem Raumschiff mit Panorama-Sichtkuppel.
Ich hätte mir aber deshalb keine Sorgen machen müssen. Leila Ayliks Truppe hielt still wie im Meditationsraum und genoss das Erlebnis sichtlich.
Dabei taten wir gar nichts Besonderes. Was sieht man schon als Laie von einem Start: eine Gruppe Leute sitzt vor einigen Pulten mit Bildschirmen, jeder balanciert irgendwie ein Keyboard auf dem Knie oder hat eine Fernbedienung mit vielen interessanten Knöpfen in der Hand - und die meisten aus der Crew rühren (scheinbar) keinen Finger, während draussen zuerst die Landschaft vorbeisaust. Wenig später wird der Himmel dunkel, alle an Bord bekommen das Gefühl, sie kippen aus der Senkrechten auf den Rücken. Das geht aber kurz darauf auch schon wieder vorbei und so weit das Raumschiff Fenster nach draussen hat, sieht man dann zum ersten Mal das All.
Wie schwarz das Universum trotz Milliarden Sonnen ist, kann sich niemand vorstellen, der das noch nicht selbst gesehen hat. Leider verdarb Renos Mars-Atmosphäre etwas den Übergang, wir bekamen zum Abschied eine Menge Mikrostaub von einen Gezeitensturm mit, fein wie Nebel und doppelt so undurchsichtig, aber die Rainbows waren trotzdem begeistert.
»Lass die erst mal die Landung auf einem Erdähnlichen mitmachen«, unkte Cleo, »wenn der Hitzeschild glüht, die GLORY rüttelt wie auf einem gewaltigen Schüttelsieb und wir inmitten einer brennenden Luftfahne stecken. Dann wollen wir mal sehen, was diese kostbaren Tragflächen aushalten.«
»Cleo!« sogar Anne wurde es zu viel.
»Na, ist doch wahr.« Cleo gab sich nicht geschlagen.
»Fertig zum Sterntor-Durchflug?« fragte ich und brach Cleos Gemaule damit ab. Ginnie neben mir nickte stumm. Wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hat, dass sie kaum je den Mund aufmacht, man sich aber trotzdem hundertprozentig auf sie verlassen kann, kommt man wunderbar mit ihr zurecht. Es ist ohnehin nicht unbewöhnlich, dass Piloten nicht viel miteinander reden, schliesslich haben beide das gleiche Datenmaterial auf ihren Displays, man sieht also, was der jeweils Andere gerade tut und kennt natürlich den nächsten Schritt, aber ich gebe zu, für Aussenstehende wirkt die Zusammenarbeit zwischen mir und Ginnie manchmal fast unheimlich.
Den Rainbows war das egal. Wir konnten sie fast nicht unter der Panaroma-Kuppel wegkriegen und das, obwohl Sterntor-Durchflüge längst nicht so spektaklär ablaufen, wie man das aus den Space-Operas in den Medien kennt. Faktisch ist das Einzige, das man sehen kann, eine Art kurzer Ruck, der durch die Sterne draussen geht. Es öffnen ja auch längst nicht alle Sterntore Passagen zu völlig anderen Koordinaten. Meistens bleibt man auf Strecke.Will sagen: der Anblick des Sternhimmels ändert sich nur marginal, weil die meisten Tore Raumschiffe zwar um viele Lichtjahre versetzen, aber quasi linear innerhalb desselben Raum-Zeitquadranten.
Ich weiss, dass sich das blöd anhört, aber ich kann es nicht besser erklären. Die Sterntore sind Relikte einer anderen, nichtmenschlichen Zivilisation, die wahrscheinlich schon vor Jahrhunderttausenden untergegangen ist, denn man hat niemals bei irgend einem der mittlerweile rund achtzig bekannten Sterntore Hinweise auf die Erbauer oder Spuren ihrer Anwesenheit gefunden. Was aber noch nichts beweist. Es gibt ganze Sekten, die an die Existenz der Konstrukteure glauben und dass sie unerkannt gleichzeitig mit uns die Tore benutzen. Gerade unter Raumfahrern ist dieser Glaube weit verbreitet, obwohl ich mich für meinen Teil lieber an die Tatsachen halten.
Niemand weiss, wer die Sterntore gebaut hat. Sie sind keine Wurm-Löcher, sondern eher gewaltige Materie-Transmitter, die Objekte in Raumschiffgröße ohne merklichen Zeitverlust von hier nach dort befördern können, wenn man den Startcode kennt, der die Kontrollstationen veranlasst, den Prozess auszulösen. Denn das geht keinesfalls von selbst. Die Kontrollstationen zu den Toren wiederum liegen hinter undurchdringlichen Schutzschilden, deren technischer Hintergrund eben deswegen völlig unbekannt ist und den Naturgesetzen eigentlich fröhllich widerspricht. Genau wie die Tore selbst dürfte es sie eigentlich gar nicht geben und wir Menschen wissen nur, dass sie ihre Energie aus den Sonnen beziehen, um die sie kreisen sich in der Nähe der haben nur nach und nach gelernt, sie für unsere Zwecke zu benützen. Deshalb konnte ich den Rainbows auch kaum mehr anbieten, als dass ihnen Anne ein, zwei Muster der Klangteppiche zeigte. Bekanntlich hat jedes Sterntor seine individuelle Kennung, die es im Frequenzbereich der Radiosterne aussendet. Kommunikations-Spezialisten wie Anne nennen sie Tormelodien oder eben Klangteppiche und man weiss ja, welches Gejaule das für normale Ohren darstellt.
So, oder so ähnlich erklärte ich den ganzen Vorgang unseren Gästen und Cleo sagte später, es sei recht nett gewesen, hätte aber das Wesentlich zu stark vereinfacht. Die Rainbows dagegen waren begeistert. Sie wollten von Anne am liebsten die Muster aller Tostationen sehen und möglichst auch hören.
Schliesslich sprach Leila Aylik ein Machtwort.
»Kinder, wir halten den Betrieb auf«, sagte sie, »vor dem Mittagessen steht noch die Schiffsführung auf dem Programm. Also - wer will in welche Gruppe?«
Führungen durchs Schiff sind eine alte (Un)Sitte im Passagier-Geschäft, aber Attila Gorekian hatte mir sehr ans Herz gelegt, dass ich sie ja nicht auslassen sollte.
».. dient auch der sozialen Bindung«, hatte er behauptet.
Naja.
Ich war und bin der ketzerischen Meinung, dass unsere Führung vollkommen überflüssig war, alle Türen an Bord sind beschriftet und ich bin sicher, dass Leila Ayliks Ladies alle lesen können. Wenn auf einem Schild zum Beispiel Bad/WC steht, werden sie sich doch wohl das Nötige denken - aber wie der Schiffseigner der RAINBOW GLORY meinte. Die Führung stand im Reise-Flyer und im Bordnetz; ich musste mich ans Programm halten. Und so schlimm war es nun wirklich nicht.
Auch hier hatten Cleo und ich beschlossen, uns die Arbeit lieber zu teilen. Die Gänge innerhalb der RAINBOW GLORY sind gerade breit genug, um zwei Leute bequem aneinander vorbei zu lassen, aber die ganze Besetzung der Show - sechs Tänzerinnen, genau so viele Beauties, Ärztin, Visagistin, Kostümdesignerin plus eine Managerin - das war auf einmal einfach zu viel. Ich hatte die wirklich nette Ärztin der Rainbows in meiner Gruppe, sie heisst Chiyo Asadori, wir redeten ein, zwei Sätze miteinander während ich die Damen durch die Decks begleitete und zunächst ging auch alles gut. Wie ich schon fast erwartet hatte, war die Neugier auf beiden Seiten etwa gleich gross und ich viel interessanter, als das Schiff an sich.
Einen echten Raumschiff-Captain bei der Arbeit, das hatten die Tänzerinnen noch nie gesehen.
»Höchstens mal einen als Gast«, sagte Chiyo Asadori, »aber in Wirklichkeit haben wir natürlich kaum je Kontakt mit den Besuchern der Shows. Wir kosten zu viel, weisst du.«
Sie zwinkerte mir dabei zu und einige ihrer Kolleginnen kicherten.
Zu diesem Zeitpunkt standen wir gerade in der Nasszelle. Ich erläuterte die Funktion der Toiletten, betätigte probehalber den Knopf und es gab einen ordentlichen Knall.
Chiyo Asadori sagte: »Aha.«
Konventionelle Wasserspülung verbraucht auf Langstreckenflügen viel zu viel Wasser und scheint auch auf Reno selten im Einsatz zu ein (aus ähnlichen Gründen). Cleo hatte deshalb die übliche WC-Bidet-Konbination mit Unterdusche und nachgeschalteter Verbrennungs/Kondensationskammer eingebaut. Bidet-Unterdusche und mehrfach verwendbare Pflegetücher sparen Wasser, Abfall und Energie, Feststoffe werden verbrannt und abgeblasen, die anfallende Flüssigkeit wird recycled. Raumflüge sind lang.
Spassvögel, die zum Reiseantritt gerne mal einen Knallfrosch ins Klo werfen, hat man in jeder Besatzung.
Das wusste aber auch Leila Ayliks Show-Truppe und als wir geklärt hatten, dass niemand wirklich erschreckt worden war oder sich durch derart groben Humor beleidigt fühlte, konnte ich mit meinem Häuflein von der Besichtigungs-Tour zum Panorama-Deck zurückkehren. Der Nass-Bereich war der letzte Punkt auf Attila Gorekians Liste gewesen und oben wartete Silver mit dem Essen.
Wir kamen etwa gleichzeitig mit Cleos Gruppe an und ein Blick auf ihr Gesicht zeigte mir sofort, dass die Dinge bei ihr nicht ganz glatt verlaufen waren. Erklären musste sie mir das nicht. Das übernahm schon Vermillion O'Toole für sich selbst.
Keine der Frauen der Showgruppe steckte in Zivil in auffälligen Klamotten, oder benützte sehr viel Farbe im Gesicht - bis auf die Kostüm-Designerin der Rainbows. Vermillion trug einen knallgelben Overall, der an ihr sass wie festschweisst (Cleo nannte die Farbe später optische Umweltverschmutzung) und darunter vermutlich weiter nichts. Man sah deutlich ihre Brustwarzen durch das dünne Material und auch noch intimere Details ihrer Anatomie, aber die übermässig langen Fingernägel, viele falsche Wimpern - wenn ich nicht irre, in Blau - und auch sonst ausgesprochen schrilles Make-up lenkten davon wieder ab. Zumindest mich.
Die Männer an Bord nicht so. Wir hatten die Crews zwei und Drei für dieses erste Mittagessen an Bord geholt, Cleo hatte gemeint: »Dann geht wenigstens alles in einem Aufwasch.« und einigen davon fielen fast die Augen aus dem Kopf, als Vermillion sich wie zufällig räkelte. Sie hat kräftige Muskeln unter diesem Atombusen, das muss man ihr lassen. Es wogte.
Einige der Neuen bekamen fast glasige Augen und dann schritt Vermillion auch noch die Front der Mannschaft ab, sozusagen. Cleo neben mir zischte. Tante Leila war der Auftritt sichtlich auch nicht recht.
»Sind das eigentlich alle aus der Mannschaft?« gurrte Vermillion. Tatsächlich, sie gurrte. Wie eine zu gross geratene Katze. Oder vielmehr Tigerin.
Irgend jemand sagte:»Totila fehlt noch. Der steckt im Antriebsturm und schiebt Wache.«
Und Vermillion stellte fest: »Das ist aber schade. Kann man ihn nicht sehen?«
»Wen, den Turm - oder Totila?«
Die Mannschaft lachte.
»Mit der werden wir noch viel Freude kriegen«, sagte Cleo, leider gerade in dem Augenblick, als sich Vermillion zu ihr umdrehte. Die Frauen massen sich mit Blicken. Dann sagte Vermillion zuckersüss:
»Du bist doch die Chef-Ingenieurin, nicht? Ich habe da noch eine Frage zu den Kontrollen dieses Raumschiffs. Was bedeutet zum Beispiel der hübsche Knopf da?«
»Welchen meinst du?« fragte Cleo, Abscheu in der Stimme.
»Na den!« Vermillion drückte zur Verdeutlichung gleich darauf.
Auf den Not-Aus für den Gravitationsmotor.
Mitten in Cleos verzweifelten Sprung hinein, der sie natürlich jetzt bei Null-Schwerkraft über ihr Ziel hinaus beförderte und mit der Stirn heftig gegen die Kante der Hufeisen-Brüstung rund um das Cockpit. Es gab einen dumpfen Knall. Cleo sackte bewusstlos in sich zusammen, aber sie trudelte natürlich trotzdem weiter. Ich erwischte sie gerade noch am Fuss, und nun bremse mal Jemanden, der von keinerlei Anziehungskraft am Weiterfliegen gehindert wird.
- Unterbrechung. Nachricht von Chiyo Asadori. Cleo ist
soeben aufgewacht. -
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