Untergrund  Totila: Geschäfte im Untergrund IIA

16.05. 2389 22:30

Der Alte hatte rund um die Büro-Ebenen eine ganze Palette von Freizeiteinrichtungen installieren lassen, sie reichten von Kino, Bar-Restaurant und Cafeteria bis zum Wellness-Center mit Sauna, Aromagrotte und Sportschwimmbecken. Alles in der festen Überzeugung, dass entspannte Mitarbeiter auch gute Mitarbeiter waren - und dass sie, wenn sie schon gutes Geld für ihre Freizeit ausgeben wollten, dieses ebenso gut oder besser in firmeneigenen Einrichtungen lassen konnten.

Totila benutzte sie nie.

Die Rückfahrt zur Klinik langweilte ihn. Er hatte das Büro des Alten so ungesehen verlassen, wie er es betreten hatte, aber jetzt, mit der heissen Identitätskarte in seiner Tasche, war Totila nicht mehr bereit auch nur das geringste Risiko einzugehen. Leider hiess das, dass er ein Touristen-Taxi benutzen musste, mit dem er fast eine Stunde auf dem Highway festhing. Dafür konnte er es sich aber leisten, den offiziellen Eingang zur Seven-Stars-Beauty-Klinik zu benützen und sich am Empfang hochoffiziell anzumelden.

Amy begrüsste ihn per Bildschirm mit unbetrübter Freude.

»Es ist gut, wir schicken einen Wagen für ihn«, sagte sie zu dem jungen Mann an der Rezeption, er hiess Dolan, Totila machte sich nicht die Mühe, den Namen erst von der Anzeige zu lesen.

*

Stevenson war womöglich noch nervöser, als vorhin.

»Honey schläft jetzt fest. Ich habe ihr ein leichtes Narkotikum gegeben. Wir werden sie heute gegen 23:00 Uhr zum erstenmal operieren. Sie muss sich die Nase als Kind schon einmal gebrochen haben, habt ihr das gewusst?«

»Nein.«

Totila gab Stevenson die Identitätskarte zurück.

»Ich werde froh sein, wenn ich das hier alles überstanden habe. Hier - das ist die Adresse, von der du das Material abholen kannst.«

Nun wäre es passend gewesen, irritiert die Augenbrauen zucken zu lassen. Totila wuuste jedoch, auf was Amys Ehemann hinauswollte. Deshalb sah er Stevenson nur an.

»Gott, Junge. Entschuldige, das habe ich vorhin ganz und gar vergessen. Mein Kontaktmann auf der Erde sagte, sie würden es wie Selbstmord aussehen lassen. Dazu braucht man für gewöhnlich ...«

Totila winkte ab.

»Erkläre mir nichts. Ich hole das Material ab. Wo sagst du, kriege ich es?«

Vermillion O'Toole - Martial Arts Dojo, Canyon Green, Solo.

»Du kriegst es rechtzeitig vor dem Start der RAINBOW GLORY. Sie wollen heute Nacht nur wissen, mit wem sie es zu tun haben.«

»Der Alte wird fluchen.«

»Du musst es ihm ja nicht sagen.«

Verlass dich darauf, sie werden es beide erfahren.

Der Alte und Amy wahrscheinlich noch vorher. Stevenson stand das schlechte Gewissen ja jetzt schon im Gesicht geschrieben. Unwahrscheinlich, dass er die Nerven hatte, die Sensation für sich zu behalten.

Totila schenkte es sich darüber nachzugrübeln, wie es der Unbekannte geschafft hatte, Stevenson nicht nur zu überzeugen, sondern tatsächlich zum aktiven Handeln zu bewegen. Das Dumme war nur, dass er seinerseits nicht mit dem Alten reden konnte, oder jedenfalls nicht bevor er nicht in Vermillion O'Tooles Dojo gewesen war. Stevenson, das hatte er vergessen ihm zu sagen, hatte Totila noch für diese Nacht angemeldet. Piraten warteten nicht gerne.

Es blieb ihm auch aus dem Grund schon gar nichts anderes übrig, als hinzufahren, weil der Alte in diesem Fall Stevenon einen Gefallen schuldete. Man konnte es sogar Erpressung nennen:

helfe ich dir mit der Identitätskarte, hilfst du mir mit dem Hacker auf der Erde,

aber das wäre natürlich extrem unfein geweesen. Totila war genau in der Stimmung, den Spiess ein wenig umzudrehen.

»Bestellst du mir ein Taxi zum Canyon Green?« fragte er.

»Um Gottes Willen! Du kannst doch nicht von der Klinik aus dort hinfahren wollen!«

»... was sollen denn da die Leute denken? Tja, das hättest du dir vorher überlegen sollen.«

»Was soll Totila in Solo? Dort gibts doch nur Piraten-Dojos? Stevenson - was weiss ich noch nicht, das ich besser wissen sollte?«

Amy stand in der Tür. Da war es, das Gewitter. Totila flüchtete, bevor es sich über dem Haupt des unglücklichen Doktors ergoss.
 

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