Alpträume 16. Honey Winters Tagebuch:  Freundliche Alpträume

Tagebuch: Eintrag vom 16.05.2389:  17:30

Ich hatte gestern keine Lust mehr weiterzusschreiben, obwohl es noch Einiges gegeben hätte, das es das wert gewesen wäre. Die Verknüpfungen zwischen dem Alten und der Seven-Stars-Beauty-Klinik sind nämlich einiges komplizierter und interessanter, als ich ahnen konnte.

Amy Stevenson, die offensichtlich bestimmende bessere Hälfte von Dr. Stevenson, war zum Beispiel in erster Ehe mit Attila Gorekian verheiratet.  Ein wirklich nettes Frauchen. Klein, zierlich, sehr gut und und sehr teuer angezogen - sogar die elegante Mirja Terescu fiele neben ihr nicht sehr auf -  und obwohl Frau eines sogenannten Schönheitschirurgen sichtlich nicht geliftet.

Das heisst : ich weiss es nicht.  Ich musste mir im Lauf des gestrigen Abendessens mit den Stevensons sagen lassen, dass die wahre Kunst darin bestehe, dass man vom Eingriff eben nichts sieht.

»Gesichtschirurgie«, dozierte Dr. Stevenson, »ist mehr als nur da ein bisschen wegschneiden, dort etwas hinzuwachsen lassen. Ausserdem arbeiten wir heute nicht mehr mit Nadel und Faden, sondern biologisch mit dem natürlichen Wachstumsprozess.«

Ich wurde heute den ganzen Tag durch die ersten Untersuchungen geschleust. Es war der gründlichste Gesundheits-Check meines Lebens. Und ehrlich gesagt alles andere als angenehm. Meine Operation(en?) sind Chefsache. Dr. Stevenson war jede Sekunde bei allen Vorbereitungen dabei. Er hat sich wirklich Mühe gegeben und mir absolut alles erklärt. Jeden Piekser, jede Blut- und sonstige Probe, jeden biologischen Wert.

Scheusslich. Ich wollte das eigentlich alles gar nicht so genau wissen.

Morgen geht es zum psychologischen Profil.

»Wir entwickeln für jeden unseren Patienten die optimale Therapie«, erklärte Dr. Stevenson, »dazu gehört auch, dass die Menschen die Zeit bei uns in so angenehmer Erinnerung behalten, wie möglich. Niemand soll Alpträume in sein weiteres Leben mitnehmen.«

Es ist einer. Ich muss dazu nicht einmal die Augen zumachen. Dr. Strevenson will neben der beschädigten Nase meinen schiefen Unterkiefer korrigieren  - wusste gar nicht, dass er das ist - Stirn und Wangen etwas modelieren und den Haaransatz verändern.

»Das Material dazu nehmen wir aus der Hüfte und der Fettansammung am Oberschenkel. Diese so genannten Reiterhosen werden wir bei der Gelegenheit auch gleich mit straffen. Bauch und Brüste sind für dein Alter fast optimal. Ein Wonderbra stützt da eigentlich alles, was er muss. Oder sollen wir ...«

Dr. Stevenson fasste meinen Busen fachmännisch von unten und hob ihn, um zu demonstrieren, was er meinte. Ich schüttelte den Kopf. Es machte mir nicht viel aus, dass ich nackt inmitten seines Teams stand, überall im Gesicht und am Körper Markierungen mit rotem Stift. Auch nicht, dass sie mich von allen Seiten musterten. Bitte schön, das war ihr Job.

Was mir den Magen umdrehte, und immer noch umdreht, ist die Methode.

Dr. Strevenson arbeitet Minimal-invasiv.

Einerseits.

»Natürlich wird es  eine Menge kleiner und kleinster Einschnitte geben«, dozierte er, »die meisten können wir durch die Nase legen oder am Ohr, unter dem Kinn, im Haaransatz. Jeder einzelne davon wir mit einer computer gesteuerten Zellwachstums-Einheit besetzt und aus körpereigenen Material kontrolliert neu aufgebaut, nachdem wir entfernt haben, was  nicht bleiben kann. Keine Angst, du merkst davon nichts.«

Er kniff mich dazu freundschaftlich ins Kinn. Und fragte mich, welche Zähne ich gerne hätte.

»Durch die Kieferkorrektur verändert sich der Biss. Du hast einige Fehlstellungen im Mund und natürlich auch die für dein Alter übliche Menge Schäden. Das muss aber nicht so bleiben. Wir haben eine Methode entwickelt, Zähne genidentisch neu aufzubauen. Wir extrahieren die, die  nicht mehr okay sind, aktivieren die zahnbildende Schicht in deinem Kiefer und ziehen sie neu hoch. Möchtest du jetzt das Entspannungsprogramm nach dem Stress der Untersuchungen?«

Er empfahl mir wenigstens eine Massage, aber ich hatte genug. Ich wollte nur noch meine Ruhe und ein Bad. Leider schlief ich darin ein.

Und hatte einen Alptraum.

Totila kam darin vor, und Tara MacDiarmuid. Tara hatte auf einmal ein merkwürdiges Streifenmuster im Haar, fast wie ein Katerfell und unverschämt grüne Augen.

Anne hat dir doch gesagt, dass er mit jeder Frau ins Bett geht, sagte Totila, natürlich sind wir uns ähnlich.

Ich wachte davon auf, dass es mich im Wasser fror.
 

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