Einschwieriges Kapitel

Totila: 2389: März

Tagträume waren völlig normal. Die meisten Menschen hatten welche. Aber Silvers gingen Totila allmählich auf die Nerven.  Er hatte sich in diesem knappen Monat schon oft gefragt, was wohl wirklich gelaufen war, damals als Silver und Honey der Zoll auf den Fersen gewesen war. Aber leider hatte sie das Ereignis völlig verdrängt. Was zu ihr passte.

Einerseits war Silver unglaublich naiv. Man mochte ihr das raffinierte kleine Luder gar nicht glauben, obwohl sie, der Alte hatte das behauptet, auf der Erde wohl zeitweise als Lockvogel für den Babystrich gelaufen war. Totila zweifelte schon deshalb daran, weil er nur zu genau wusste, wie unberührt Silver tatsächlich war. Ihre sexuellen Phantasien bewiesen es ihm. Sie gingen kaum über die technischen Grundkenntnisse hinaus.

Schlimm jedoch, dass sie sich ausgerechnet auf ihn konzentrierten.

Er hatte es natürlich kommen sehen. Silver arbeitete nicht zuletzt deshalb hier im Hochtal in der Küche mit, weil sie dadurch in Totilas Nähe war. Wenn er nicht aufpasste, schlich sie ihm sogar nach.

Es war lästig. Sie stellte es zwar geschickt an, musste immer zufällig noch etwas auf den Tisch stellen, an dem er sass. Oder sie hatte aus Mitleid für müde KollegInnen in der Küche für den Rest einer Nacht die Lieferung der Getränke in den Antriebsturm übernommen, wo Totila mit den Anderen schwitzte.

Die Griechen waren von dem persönlichen Service natürlich begeistert. Welcher Mann mochte das nicht, einen Becher Eistee aus der Hand einer schlanken Blonden. Und natürlich holte er sich auch davon, schon weil er es brauchte. Die Arbeit im Turm, dazu Silvers Angebote, machten durstig. Aber Totila kannte diese und ähnliche Spielchen viel zu gut, um sie noch amüsant zu finden.

Ausserdem musste er immer aufpassen, dass Silver ihm nicht in die Quere kam, wenn er sich in einer der Pausen  auf den Weg zu Anne-Cyril du Ponts Zelt machte.

Die gute Anne! Sie war ein Reno-Mädchen, hatte im Bett Spass an ziemlich den Sachen, die auch Totila gefielen, und war vor Allem völlig unkompliziert. Keine Verliebtheit bei Anne. Wenn sie ihn sah, und gerade Lust hatte, erlaubte sie ihm über sie herzufallen - wenn nicht, dann eben nicht.

Er brauchte das, den Sex, das Unkomplizierte. Was er nicht brauchte, war Silvers Verliebtheit. Er wusste, dass er ihr Kummer machte, weil er so gar nicht auf ihre Sehnsucht einging. Sie verzehrte sich nach ein paar netten Worten, einem freundlichen Blick. Er wäre auch gerne freundlich zu ihr gewesen. Aber er konnte nicht.

Sie hätte sofort versucht, ihn in ihr Bett zu locken und normalerweise hätte er es vielleicht sogar mit ihr getan. Silver war rundherum niedlich, ein richtig süsser Hase, und er hätte sie schon gerne scharf gemacht. Er konnte nur nicht.

Irgendwann wäre es vorbei gewesen; das war es immer. Und dann hätte Silver sich bei einer der Frauen ausgeweint. Nicht notwendigerweise bei Honey. Die Pilotin war vierzehn Jahre älter als ihre jüngere Schwester, und sie hatte Silver praktisch grossgezogen. Sie war für Silver eher eine Mutter, mit allen Begleiterscheinungen, wie dass Silver sich zur Zeit ständig in Opposition zu Honey befand.

Trotzdem hatte Totila keine Lust, sich Ärger mit Honey zu holen. Sie wurde ohnehin nur sehr langsam mit ihm warm, obwohl er sich fragte, was er ihr eigentlich getan hatte.

Das heisst - er wusste es genau. Verkettung unglücklicher Umstände, denn er mochte sie sehr, nicht unbedingt als Geliebte, aber doch; und sie mochte ihn nicht. Er war in ihren Augen zu jung, zu attraktiv, und leider, leider viel zu allwissend.

Weiss der Teufel, aber Honey hatte es gemerkt.  Und es war nur noch eine Frage der Zeit, bis sie der Sache auf den Grund gehen würde.

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