Plejades


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Plejades - Honey Winters Tagebuch

Die Menschheit hat längst den Weg zu den Sternen gefunden. Neue Welten sind besiedelt, aber Wirtschaft und Verkehr zwischen der Erde und ihren Kolonien im All liegen ausschliesslich in den Händen weniger irdischer Grosskonzerne. Natürlich mangelt es nicht an Versuchen, im Outback der Galaxie unabhängige Gemeinschaften aufzubauen. Doch wer seine Produkte auf dem lukrativen irdischen Markt bringen will, bekommt Probleme ...



 

Leichte Mädchen und Piraten: Reno

Auszug aus: Enzyklopädie der Neuen Welten /
Besiedlung /
Reno /
ca 2150 -

Wie bei vielen, ursprünglich illegal besiedelten Welten, liegen auch auf Reno die Anfänge der Kolonie im Dunkeln. Es darf jedoch als gesichert gelten, dass John P. Reno, nach dem der Planet heute benannt ist, nicht der erste war, der hier landete. Wer als erster Mensch seinen Fuss  in Renos staubige Wüsten setzte, oder wer die gigantischen Höhlensysteme im Inneren der uralten Renogebirge entdeckte, verliert sich allerdings im Chaos der ersten Jahre.

Zudem wissen wir heute, dass ein Teil der Daten von John P. Reno bewusst vernichtet wurde, vermutlich um seine eigene Legende zu stützen. Reno war Mitte des 22. Jahrhunderts auf Gaia und Ceres in eine ganzen Reihe undurchsichtiger Geschäfte verwickelt und tauchte wenig später auf jener Welt unter, die später seinen Namen tragen sollte. Wir wissen, dass er in Besitz eines riesigen Diamanten war, des berühmten Braunen Reno, und dass er ihn als Sicherheit für einen Kredit hinterlegte, mit dem er 2157 nahe eines unterirdischen Bergarbeiter-Camps sein erstes Eros-Center  mit Spielhölle eröffnete.

Sinnigerweise beteiligten sich auch zwei ehemalige Steuerfahnder an diesem Unternehmen, und schon deshalb darf Renos in allen späteren Interviews stereotyp wiederholte Behauptung, er habe den gesamten Planeten beim Pockern gewonnen, getrost ins Reich der Fabel verwiesen werden. Es ist jedoch tatsächlich hauptsächlich den Aktivitäten John P. Renos zu verdanken, dass die Koordinaten von Renos Welt innerhalb der Galaxis und die Flugrouten zu den zugehörigen Sterntoren rasch allgemein bekannt wurden. John P. Renos Spielcasino, seine beiden Freizeitparks, und noch viel mehr sein Anfang der 80er Jahre des 22. Jahrhunderts errichteter, berühmt-berüchtiger Palast der Laster, zogen die Reichen und die Schönen magisch an, selbst von so weit entfernten Welten wie der Erde.

Dabei kam Reno zugute, dass die natürlichen Gegebenheiten dieser Welt damals wie heute jede Kontrolle über alle Aktivitäten der hier lebenden Menschen völlig unmöglich machen. Nirgends sonst im Universum kann man so ungestört sein. 

Reno ist der achte Trabant eines Doppelsterns , der einzige mit Sauerstoffatmosphäre innerhalb der Lebenszone seiner Sonnen, die ausser Reno noch einen Planeten vom Typ der Venus und zwei weitere Marsähnliche aufweisen können. Die Atmosphäre ist dünn, enthält jedoch genügend Sauerstoff. Dennoch wird Touristen, die einen Besuch der Wüsten in Erwägung ziehen dringend empfohlen, eine sogenannte Sandkatze als sicheres Fortbewegungsmittel und notfalls Zufluchtsort zu buchen. Die Dauer jedes Aufenthalts an der Oberfläche ist wegen der Gezeitenstürme und der Temperaturstürze zwischen Tag und Nacht begrenzt.

Der durchschnittliche Renotag dauert exakt 28,756 Standard-Stunden. Dass die gesamte Atmosphäre in den Nächten gefriert, ist jedoch ein Piratenmärchen. Was auftreten kann, sind normale Reifbildungen, nicht unbedingt nur von Wassereis. Der gleichzeitig mit der Dämmerung nach dem Gezeitensturm stark abfallende Luftdruck, und die plötzliche Stille können allerdings subjektiv den Eindruck erwicken, als stehe man im Vacuum. 

Schon die Piraten der Anfangsjahre entschieden sich deshalb dafür, die weitläufigen Höhlen unterhalb der Gebirge auf Reno als weitaus sicherere Wohnstätten zu nutzen. Diese ersten Einbauten wurden vermutlich nicht dauerhaft bewohnt. Aber da das Kerngebiet von Reno City im Lauf der Zeit mehr als einmal überbaut, verfüllt und wieder freigesprengt wurde, zudem viele Jahre überhaupt nicht kartographisch erfasst war, sind zuverlässige Aussagen auch darüber schwierig bis unmöglich. 

Paradoxerweise war es gerade John P. Reno, der als erster den Vorschlag machte, die Kavernen rund um den Palast der Laster und später des gesamten Raumhafengeländes zu sichern. In anderer Hinsicht hat er der Kolonie jedoch ein recht zweifelhaftes Erbe hinterlassen. Der in vielen anderen Kolonien immer wieder verbreitete Meinung, noch heute lebten alle Bewohner von Reno-City von illegalem Glücksspiel oder Prostitution, muss hier jedoch ausdrücklich widersprochen werden.

Der Sexual-Report von 2274 ist im Gegenteil zu dem vielleicht überraschenden Ergebnis gekommen, daß die Freiheit, die in diesen Dingen auf Reno herrscht, keineswegs zur Ausbildung eines signifikant abweichenden Verhaltens geführt hat. Ehen und Lebensgemeinschaften sind auf Reno im Vergleich aller Kolonien nicht weniger stabil. Die Zahl der Abtreibungen ist sogar die niedrigste weltenweit.
 

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