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Plejades - Honey Winters Tagebuch
Die Menschheit hat längst den Weg zu den Sternen gefunden. Neue Welten sind besiedelt, aber Wirtschaft und Verkehr zwischen der Erde und ihren Kolonien im All liegen ausschliesslich in den Händen weniger irdischer Grosskonzerne. Natürlich mangelt es nicht an Versuchen, im Outback der Galaxie unabhängige Gemeinschaften aufzubauen. Doch wer seine Produkte auf dem lukrativen irdischen Markt bringen will, bekommt Probleme ...
was vorher geschah3. Honey Winters Tagebuch: Morgenstund hat nicht unbedingt Gold im MundBis heute morgen exakt 04:28:35 war ich der festen Überzeugung, das Wetter sei hier bei aller Hitze und Trockenheit todlangweilig, da vorhersehbar. Eine Sekunde später weckten mich Blitz und Donnerschlag, und der folgende gewaltige Wolkenbruch. Nicht nur, dass ich danach senkrecht ich Bett sass. Nein, mein Haus ist ja wie so viele hier in der Stadt auch noch halb in den Hang gebaut und das Schlafzimmerfenster stand natürlich offen. Langer Rede kurzer Sinn - ehe ich auch nur begriff, was da befremdlich plätscherte, hatte mir der Gewittersturm schon einen kleinen Gebirgsbach über den Teppich gegossen. Und natürlich war das Wasser schauderhaft kalt und natürlich wurde ich selbst auch ziemlich nass, bevor es mir endlich gelang, das Fenster zu schliessen. - Ungefähr eine Stunde später hatte ich die Schweinerei beseitigt, geduscht, mich angezogen, trank Kaffee und sah in Ruhe der weissen Sonne von Plejades dabei zu, wie sie über den Rand des Plateaus kletterte. Der Himmel war wieder wolkenlos wie immer, es versprach heiss zu werden - was sonst - und ich hatte gar nichts vor, die Präsidentin hatte mich bis auf Weiteres aus dem Labordienst genommen, also einen ganzen Tag freie Zeit vor mir. Denkste! Es klingelte. Vorsichtshalber, es war immerhin erst kurz nach sechs Uhr morgens, besah ich mir den unerwarteten Besucher zuerst über die Aussenkamera. Draussen vor der Tür stand ein weissbärtiger alter Mann mit Brille, der so milde lächelte, dass man ihn für den Weihnachtsmann hätte halten können. Ich kannte aber dieses Lächeln und das Zwinkern in den himmelblauen Augen, und rannte schleunigst los, um dem Alten die Tür aufzumachen. Keine Sekunde zu früh. »Na endlich!« brummelte er, »das dauert ja endlos. Fürchtest du dich neuerdings vor harmlosen alten Männern?« »Wen meinst du damit - doch nicht etwa dich?« fragte ich zurück, »übrigens guten Morgen!« Attila Gorekian seufzte. Der Alte ist in Wirklichkeit noch keine Siebzig und alles andere als senil, trotzdem fallen immer wieder Leute auf seine Show herein. Ich allerdings nicht mehr sehr oft. Er sah sich kritisch in meiner Diele um. »Sag mal, ich sehe hier nirgends deine Tasche. Hast du etwa noch gar nicht gepackt?« »Wieso - was soll ich packen?« fragte ich. Der Alte verdrehte die Augen, ächzte und griff sich ans Herz. »Hat's dir Mirja gestern nicht gesagt? Muß sie vergessen haben. Also los, hopp, hopp! Such dir das Nötigste für ungefähr 'ne Woche zusammen. Wir ziehen ins Hochtal. Die Rainbow Glory muss zum Passagierschiff umgerüstet werden und ich brauche jeden Mann - äh, jede Frau. Warte, ich gehe besser mit. Sonst packst du mir noch lauter modischen Unsinn ein.« Der Alte überhörte meinen Protest, stelzte in mein Schlafzimmer - er wusste natürlich genau, wo es war, obwohl er nie vorher hier gewesen war - (soviel zu Privatsphäre und Datenschutz auf Plejades), pflanzte sich auf mein Bett und gab mir Anweisungen. »Nimm was, um das es nicht schade ist, zum Beispiel dieses scheusslich rote Teil da!« - mein Lieblingsanzug - der Alte überhörte mein empörtes Schnaufen, »glaubst du im Ernst, der steht dir? Na egal, mit ein paar Ölflecken bekommt's vielleicht noch einen gewissen Charme.« Ich warf ihn hinaus, bevor er auch noch Bemerkungen über meine Unterwäsche machen konnte und der Alte ging auch tatsächlich. »Schon recht«, sagte er und seufzte dabei melancholisch, »ist lange her, dass ich gewusst hab', was ihr Frauen unten drunter anhabt.« »Jetzt mach aber einen Punkt!« sagte ich und merkte zu spät, dass er mich wieder einmal dazu gebracht hatte, genau das zu sagen, was er hören wollte. »Haben wir es?« der Alte grinste in seinen Bart. Auf einmal konnte es ihm nicht schnell genug gehen. Gerade, dass er mir noch Zeit liess, das Haus zu verschliessen. »Warte, Silver ist gestern nicht nach Hause gekommen. Sie weiss nicht ...« »Lass, sie ist schon im Hochtal.« »Was? Was tut Silver ...« Der Alte gab mir keine Antwort. Er stiefelte voraus zu seinem Flugtaxi. Ich keuchte mit der schweren Tasche hinterher, amüsierte mich über den Alten, weil sein elastischer Gang überhaupt nicht zu seinem greisenhaften Gehabe passt und ärgerte mich gleichzeitig. Wenn Silver bei der ganzen leidigen Sache mitmachte, und da war ich mir fast sicher, hatte mich der Alte im Sack. Ich konnte sie nicht alleine zur Erde zurück lassen. Und natürlich wusste er das ganz genau. Doch leider war das nicht die einzige unangenehme Überraschung dieses frühen Morgens. Auf der Rückbank des Flugtaxis sass jener viel zu schöne Erzengel von gestern und daneben noch einmal seine Zweitausführung in weiblich. Ich kann nicht behaupten, dass ich mich gerade freute, dieses Pärchen zu sehen. Eher im Gegenteil, ich witterte - naja, nicht gerade Unheil, aber Komplikationen. Und richtig, der Alte stellte mir diese Beiden als Totila und Ginnie Terescu vor und setzte dazu, Totila werde Cheftechniker meiner Crew und seine Schwester meine Kopilotin. Also waren auch noch seine Enkel mit von der Partie, die Kinder der Präsidentin. Am liebsten hätte ich gesagt: Nett! Aber ich sagte natürlich Guten Morgen. Wenn auch nicht gerade enthusiastisch, und vermutlich haben sie es gemerkt. Totila und seine Schwester sagten während des kurzen Flugs zum Zentrum kein Wort. Dafür redete der Alte. »Ihr werdet«, sagte er, »in den nächsten drei Monaten Alle zusammenhelfen müssen. Leider kann ich es mir nicht leisten, euer Schiff komplett auf Reno umrüsten zu lassen. Aber es wird auch so gehen. Wir werden übrigens nachts arbeiten, wir kommen allmählich in den Sommer. Da hält man's tagsüber nicht mehr aus. Du warst ewig nicht mehr im Hochtal, Honey, du wirst staunen, der halbe Gletscher ist weggetaut.« Wir landeten vor dem Verwaltungszentrum, und ich dachte: oh Gott! wie will er die wieder hochkriegen! Ich glaube, ich habe es sogar laut gesagt. Der Alte hatte es fertig gebracht und eine seiner drei riesigen alten Transportmaschinen mitten auf dem Platz vor dem Zentrum gelandet. Aber Attila Gorekian schüttelte den Kopf. »Nein, mein Mädchen«, sagte er ,»das Kompliment ist unverdient. Das war Ginnie. Du bekommst meine beste Pilotin. Ich weiss nicht, wie ich ohne sie auskommen werde. Aber es muss sein!« »Sollen wir dir vielleicht auch noch herzliches Beileid zu wünschen?« fragte hinter mir eine Frau mit ausgesprochen kratziger Stimme. Ich drehte mich um. Die Frau stiess einen Vogelschrei aus und fiel mir um den Hals. Aus der Nähe erkannte ich sie dann auch. Cleomene Patras, meine gute Freundin Cleo von den Griechen, Ingenieurin, Spezialgebiet Raumschiffe, und wie immer nach der neuesten Mode auf Reno gekleidet. Diesmal waren es blau gefärbte Haare in viele, viele Zöpfchen geflochten, goldgetönte Haut und ein bodenlanges weisses Kleid. Sie hatte drei ihrer Kusinen mitgebracht, Melody, Harmony, Tiffany, alle drei Technikerinnen der künftigen Crew der Rainbow Glory, dazu noch, »ausnahmsweise keine Kusine«, sagte Cleo, »aber wir hatten nichts Entsprechendes bei uns«, eine nicht zur Familie Patras gehörige junge Frau, Anne-Cyril du Pont, die an Bord für Kommunikation zuständig sein würde. Die Küche übernahm Silver. Ich hätte den Alten dafür am liebsten erschossen. Cleo tröstete mich. »So hast du sie wenigstens unter Kontrolle«, sagte sie. Als ob das bei Silver je etwas genützt hätte! Der Alte hatte inzwischen alle Griechen des Patras-Clans und ihr umfangreiches Gepäck in die alte Transportmaschine gepfercht. Zuletzt kamen Cleo, Ginnie und ich an die Reihe, auf die besten Plätze im Cockpit, weil der Alte Ginnie als Kopilotin wollte und Cleo als Flugingenieurin. Sie schimpfte die ganze Zeit, sie sagte, das Flugzeug sei überladen, und er solle besser zwei Mal fliegen. »Cleo halt die Klappe!« sagte der Alte ungerührt. Er brachte uns mit Grandezza hoch, gerade noch vor Ende der Startbahn, die schwere Maschine rüttelte durch die Turbulenzen vor dem Gebirge und zwanzig Minuten später waren wir auch schon angekommen. Fertig mit den Nerven. Der Raumhafen liegt im Hochtal, von der Stadt durch einen Gebirgszug getrennt und es gibt sogar eine Art Pass. Aber eine Strasse zu bauen, oder gar einen Tunnel ist dem Alten natürlich viel zu teuer und bis jetzt nur Projekt. Auch der sogenannte Raumhafen besteht nur aus ein paar Schotterpisten, die man vom Orbit aus nicht sieht und sogar im Anflug kurz vor dem Aufsetzen höchstens ahnt. Als ich mit dem Alten zum allersten Mal hier landete, war ich masslos enttäuscht. Jetzt stand am Rand des Tals eine Zeltstadt, daneben lag ein riesiger Berg Schrott. »Materiallager«, sagte Cleo lapidar. Wie alle Kolonisten ist sie der Meinung, dass mal Alles noch irgendwie gebrauchen kann. Sie erklärte mir auch endlich, was eigentlich meine Aufgabe sein würde. »Technikerin bist du nun leider gerade keine«, sagte sie, »aber egal. Ich brauche jemanden, der mir zur Hand geht, Protokoll führt und notfalls den Boten zwischen den einzelnen Arbeitsgruppen machen kann. Und als Mädchen für alles hast du ja im letzten halben Jahr Erfahrung gesammelt.« Na Klasse! Raus aus der Bratpfanne, rein ins Feuer! |
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