Plejades


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Plejades - die Chronik der Kolonie

Die Menschheit hat längst den Weg zu den Sternen gefunden. Neue Welten sind besiedelt, aber Wirtschaft und Verkehr zwischen der Erde und ihren Kolonien im All liegen ausschliesslich in den Händen weniger irdischer Grosskonzerne. Natürlich mangelt es nicht an Versuchen, im Outback der Galaxie unabhängige Gemeinschaften aufzubauen. Doch wer seine Waren auf dem lukrativen irdischen Markt bringen will, bekommt Probleme ...



 

2. ein silbernes Mädchen

Totila war auf dem Weg zu Honey und Silver Winter. Er hatte ein wenig widerwillig ein Schnelltaxi genommen, eigentlich völlig unnötig, aber dem Alten ging heute alles wieder nicht schnell genug. Dabei war noch Zeit. Mehr als genug sogar, ausserdem war Zeit nicht das eigentliche Problem.

Totila kannte die beiden Frauen nicht, das war aber auch gar nicht nötig. Der Alte hatte ihm alles erzählt, was Totila wissen musste, und noch einiges mehr. Völlig überflüssig dass er es getan hatte, sie wussten beide, dass sie sich die Komödie hätten sparen können. Man brauchte Totila nie etwas zu erzählen. Er wusste stets, was sein Gegenüber sagen wollte, noch bevor es zuende gedacht war.

Immer.

Er hatte jedoch beschlossen, die Laune des Alten nicht dadurch kaputt zu machen, dass er ihn darauf hinwies. Nicht heute. Der Alte hatte weiss Gott genug um die Ohren. Das Ganze war eine Katastrophe und mindestens zu einem guten Teil darurch entstanden, weil Totila nicht an den Verhandlungen teilgenommen hatte. Weder er noch die Präsidentin, und weil den Alten dies eine Mal der Instinkt in Stich gelassen hatte. Darum war Totila auch sofort aufgebrochen.

Wie schon so oft. Fragte sich nur, ob er es auch dieses Mal wieder schaffte, den Sturm aufzufangen. Natürlich würde es Sturm geben. Honey Winter würde nicht begeistert sein, wenn er ihr sagte, was der Alte von ihr wollte. Das wäre auch ein bisschen viel verlangt gewesen. Niemand begab sich freiwillig zurück in die Reichweite der irdischen Zollfahndung. Obwohl Honey vermutlich relativ mühelos ihre Unschuld beweisen könnte.

Sie müsste nur ihre Schwester ausliefern.

Was sie nicht tun würde. Nicht, wenn der Alte Honey Winter richtig einschätzte. Totilas konnte seinen Grossvater Attila Gorekian nicht sonderlich leiden - zum guten Teil beruhte das auf Gegenseitigkeit - aber wenn es darum ging, Menschen für sich einzuspannen, für einen Bedarf, der noch gar nicht feststand, war der Alte unschlagbar.

Er hatte Honey und Silver Winter vom Fleck weg engagiert, nachdem sie auf der Flucht vor den Federales auf Reno gestrandet waren und Silver dem Alten auf einem der Raumhäfen über den Weg gelaufen waren. Natürlich hatte sich der Alte diese Gelegenheit nicht entgegen lassen. Obwohl Honey zuhause auf der Erde nie wirklich geflogen war, nur Simulatortraining hatte, war eine Pilotin mit irdischer A-Lizenz im Ganz Weit Draussen ihr Gehalt hundertfach wert. 

Und natürlich hatte ihr der Alte ihr das nicht gesagt.

Totila vermutete, sie wusste es noch immer nicht, drei Jahre nach ihrer Ankunft. Der Alte hatte sie in sein eigenes Team übernommen, das die Strecke Reno - Plejades nonstop flog, Waren grundsätzlich im Orbit übergab oder übernahm. Zwei Wochen im All, keine Zwischenlandung, Honey hatte das 25 Monate ausgehalten. Was Einiges über ihre guten Nerven aussagte. Totila war auf sie gespannt. 

Aber er stellte fest, dass er Pech hatte, als er sein Taxi vor ihrem Haus parkte. Honey Winter war nicht zu Hause. Dafür aber Silver, Honey Winters jüngere Schwester. Totila wusste, was der Alte von ihr hielt. 

Er beugte sich vor, läutete und wappnete sich innerlich gegen den Schock, den er zweifellos auslösen würde. Die beiden Winters hatten keine Aussenkamera an ihrer Rufanlage. Silver hatte keine Chance, sich an seinen Anblick zu gewöhnen. Es war immer dasselbe. Und natürlich ging jetzt die Tür auf und auch Honeys Schwester stand, wie festgenagelt.

Fast so gross wie er, schlank und zierlich stand Silver Winter eine Stufe höher als Totila. Sie hatte braune Augen, richtig goldbraun, und sie schaute damit überrascht auf ihn herunter. Ihr Gesicht war weich, und ihr Mund ohne dass sie es wusste, zu einem hingerissenen Lächeln verzogen. Er kannte das, zur Genüge, aber Totila konnte es diesmal trotzdem fast nicht glauben.

Das war also der eiskalte Teenager, der den irdischen Zoll und die Macker auf dem Babystrich zwei Jahre lang an der Nase herumgeführt hatte? Dieses niedliche Mädchen? Silver trug silber. 

Silberne Locken, eine silberne Hose und einen Glitzerpulli, silbern. Dazu Silberschuhe, silbernen Nagellack, sogar der Lippenstift war silbrig. Sollte sie ihn in ihr Zimmer führen, würde Totila feststellen, dass er sich in einer Silberhöhle befände. 

Doch halt! Silver wusste, wie Fremde auf ihr Reich reagierten. Sie würde ihn in Honeys Zimmer bitten, freundlich in Holz und Naturwolltönen gehalten. Sie fand Totila umwerfend. 

Aber er hatte beim besten Willen nicht die Absicht. Nicht bei Mädchen wie Silver. Er hatte nichts gegen das eine oder andere nette Treffen im Heu, doch er kannte sich besser als jeder Andere mit Tagträumen aus. Sie zerrannen oft genug ins Nichts. 

Ausserdem hatte Totila diesen Auftrag des Alten. Er war eigentlich für Honey gedacht, aber er konnte nicht auf sie warten, also richtete ihn in Gottes Namen Silver aus. Ihre Reaktion überraschte ihn völlig.

Silver stiess einen Freudenschrei aus, und Totila wusste, wer würde sie nicht mehr loswerden.

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